Hund und Job - Wie vereinbart man Hundehaltung und Vollzeitjob

Diesen Monat haben wir es eeeendlich geschafft, an einer der Blogparaden von Julia und miDoggy teilzunehmen. Bei einer Blogparade wird ein Thema vorgegeben und jeder der Lust hat, kann dann zu diesem Thema etwas schreiben. Ich finde das immer ganz spannend, denn gerade bei Themen wie Hund und Job lese ich wirklich gerne, wie das andere so handhaben. Deshalb liebe Julia, vielen Dank für deine wirklich tollen Ideen immer und wir freuen uns, dass wir es endlich geschafft haben, einen Beitrag beizusteuern. Hier könnt ihr die anderen Beiträge zu der Blogparade und auch zu den anderen Blogparaden nochmal nachlesen. Es lohnt sich!

Eigentlich dürften wir ja gar keinen Hund halten. Zumindest wenn es nach einigen super perfekten (Beagle)haltern geht. Denn der Beagle, der ja seit jeher als Meutehund bekannt ist, kann natürlich auf gar keinen Fall niemals nicht alleine bleiben. Niemals. Er braucht 24/7 Betreuung und rund um die Uhr Bespaßung. Je mehr, desto besser. Jeder, der sich einen Beagle anschafft obwohl er eine Arbeit hat, ist ein Tierquäler. Einen Beagle sollte man sich nur anschaffen, wenn man den ganzen Tag zu Hause ist. Halt nein! Ohne Einkommen kann man einen Hund ja gar nicht unterhalten. Dann warten wir eben, bis wir in Rente gehen. Obwohl dann sind wir ja auch zu alt und können den Hund ja überhaupt nicht mehr artgerecht auslasten. Studenten haben Zeit aber kein Geld, also dürfen sie auch keinen Hund halten. Naja ihr seht schon… Zum Wohl von Timmy ist es besser ihn abzugeben. Schließlich arbeiten wir beide Vollzeit, ich mache sogar noch nebenbei meinen Master und auch das Herrchen bildet sich nebenbei fleißig weiter. Und dennoch haben wir uns ganz bewusst für einen Hund entschieden, auch wenn unsere damalige Situation noch eine andere war.

 

Anmerkung: Beagle haben tatsächlich häufig Probleme mit dem Alleine bleiben und es gibt durchaus Rassevertreter, die können einfach nicht alleine bleiben, egal wie langsam und intensiv man das trainiert. Es wird einfach nicht klappen. Das muss man in jedem Fall vor der Anschaffung eines Beagles bedenken. Auch wir hatten diese Probleme am Anfang und Timmy konnte die ersten 2 Jahre nicht alleine bleiben. Wie wir ihm das beigebracht haben, könnt ihr hier nochmal lesen.

Als Timmy damals bei mir einzog (vorher hat er ja nur beim Herrchen gelebt), war ich Studentin und habe Nebenbei gejobbt. Ich hatte relativ viel Zeit und  die Betreuung von Timmy war kein Problem. Dann habe ich die Uni gewechselt und meinen Nebenjob auf eine Vollzeittätigkeit ausgeweitet. Das Herrchen und ich haben in dieser Zeit in derselben Firma gearbeitet und hatten dieselben Schichten. Diese wurden im Laufe der Zeit 2 Mal angepasst, so dass wir und Timmy uns immer wieder umstellen mussten. Und zwischenzeitlich hätte es ohne die Hilfe unserer Familie gar nicht funktioniert. Zumindest nicht so, dass ich kein schlechtes Gewissen Timmy gegenüber gehabt hätte. Denn dann wäre er durchaus auch mal 10 Stunden alleine gewesen und das ist einfach zu viel. Ihn abzugeben kam für uns nie in Frage, die Firma zu wechseln hingegen schon. Ich wollte eh weg und habe bei der Suche nach einem Job mein Hauptaugenmerk auf die Vereinbarkeit mit Timmy gelegt (natürlich muss alles andere auch stimmen). Die Prioritäten ändern sich eben durchaus mit Hund und kein Geld der Welt könnte mir die Zeit mit Timmy ersetzen.

 

Heute arbeiten wir beide 40 Stunden die Woche. Hinzu kommt bei uns beiden der Arbeitsweg von rund 20-30 Minuten - eine Strecke. Und wenn man das so hört und uns nicht kennt, könnte man sicherlich denken das da nicht wirklich viel Zeit für Timmy bleibt. Zumindest wurde uns eben genau das unterstellt. Beide in Vollzeit, da ist niemals Platz für einen Hund. Erklärungen zwecklos, wir waren schon abgestempelt. Wie könnt ihr nur? Und dann auch noch einen Beagle! Ihr habt niemals ausreichend Zeit für einen Hund und erst recht nicht für einen Beagle. Aha. Ist das so, ja?

Nein, natürlich nicht. Unser Tagesablauf dreht sich komplett um Timmy. Alles, was wir tun wird auf ihn abgestimmt und muss letztlich auch auf ihn abgestimmt werden. Und ja, wir haben bei der Betreuung von Timmy Unterstützung und ohne diese würde es durchaus auch mal eng werden. Wir müssen viel organisieren und viel planen und uns stets absprechen. Aber es klappt, wenn man will und wenn man eben vielleicht noch jemanden hat, der einspringen kann wenn es mal ganz eng wird. Das Herrchen arbeitet in zwei Schichten, glücklicherweise entgegengesetzt zu den Schichten meiner Mama. Ich habe Gleitzeit und kann dadurch meine Arbeitszeit ganz gut an die des Herrchens anpassen. Heißt: Geht er später aus dem Haus, gehe ich ganz früh und komme eher wieder. Geht er früh, gehe ich später und er kommt eher heim. Soweit so gut. Aber die Arbeitszeiten vom Herrchen sind eben nicht planbar und so wird aus einem 8 Stunden Tag auch mal ein 10 - 12 Stunden Tag. Und dafür haben wir dann noch meine Mama, welche Timmy entweder früh oder Nachmittags betreuen kann. Wenn alle Stricke reißen, dann wohnt auch noch meine Oma um die Ecke und holt Timmy zu sich oder sie kommt eben zu uns.

 

Das klingt jetzt vielleicht alles ganz entspannt, aber man muss sich eben immer absprechen. Und einige Dinge die - bevor Timmy bei uns einzog - selbstverständlich waren, die funktionieren jetzt eben nicht mehr. Einen Kaffee mit der Freundin trinken gehen nach Arbeit? Mit den Kollegen essen gehen? Einen Stadtbummel machen? Den Wocheneinkauf erledigen? Geht nicht. Der erste Weg führt mich bzw. das Herrchen direkt nach Hause. Wer zuerst Feierabend hat, fährt zu Timmy. Der andere erledigt Einkauf & Co. Kaffee trinken mit der Freundin sehr gerne, aber eben nur wenn ich weiß, Timmy ist nicht alleine oder er kann alternativ mit. Frisörbesuche, Arzttermine etc. müssen so gelegt werden, dass sie zu den jeweiligen Schichten passen und eben Nachmittags jemand da ist. Zur Not müssen bestimmte Termin im Urlaub oder am Wochenende erledigt werden. Ihr seht: Unsere gesamte Wochenplanung richtet sich nach Timmy. Aber das ist für uns absolut in Ordnung, denn es ist nun mal so: Wenn ich den ganzen Tag arbeiten war, dann gehört der Nachmittag / Abend Timmy. Ich habe mich schließlich für einen Hund entschieden, um mit diesem Zeit zu verbringen und nicht, damit dieser ständig alleine ist. Dabei geht es ja noch nicht mal um dauerhafte Bespaßung. Timmy ist auch an Tagen mit weniger Programm zufrieden - Hauptsache wir sind bei ihm oder er kann uns begleiten. Mittlerweile hat sich das ganze super eingespielt und ich fühle mich in keinster Weise eingeschränkt, auch wenn das für Nicht-Hundemenschen durchaus manchmal so wirken mag.

Timmy nutzt die meiste Zeit alleine zum Schlafen.
Timmy nutzt die meiste Zeit alleine zum Schlafen.

Mittlerweile gibt es außerdem ja wahnsinnige viele Möglichkeiten, seinen Hund während der eigenen Abwesenheit betreuen zu lassen. Es gibt Hundetagesstätten, Dogwalker / Gassiservice, Hundesitter die zu einem nach Hause kommen, Nachbarn die gerne mal eine Runde mit dem Hund drehen möchten aber eben auch viele Arbeitgeber, die Hunde am Arbeitsplatz erlauben. Die Frage ist halt immer, was passt zu dem eigenen Hund und was macht ihn glücklich. Timmy würde sich in einer Hundetagesstätte überhaupt nicht wohlfühlen. Ein Dogwalker würde für ihn vielleicht in Frage kommen, das ist eher seins. Und auch wenn ich ihn am liebsten 24 Stunden um mich hätte, Timmy würde als Bürohund bei mir nicht glücklich werden. Ich habe zwar mein eigenes Büro, aber eben auch fast jeden Tag Kundenkontakt. Und da Timmy fremden Männern gegenüber eher skeptisch ist, wäre es wohl kontraproduktiv ihn mit ins Büro zu nehmen. Er wär nach so einem Tag wesentlich gestresster, als wenn er 4 Stunden alleine zu Hause geblieben wäre. Dort hat er seine Ruhe und wie wichtig Ruhe ist, darüber hab ich ja bereits hier schon einmal geschrieben. Für Timmy ist es so wie wir es handhaben die beste Lösung und ich bin wahnsinnig froh, dass das alles so klappt und wir auch die Unterstützung unserer Familie haben.

 

Es nervt tierisch, wenn man selbst oder auch andere direkt vorwurfsvoll angemacht werden, weil sie arbeiten und einen Hund halten. Natürlich finde ich es auch nicht ok, wenn man sich einen Hund holt und dieser Tag für Tag, Woche für Woche, Jahr für Jahr jeden Tag 8 Stunden und mehr alleine sein muss. Dabei geht es auch gar nicht darum, ob ein Hund das aushält - also im Sinne von seine Geschäfte erledigen, sondern viel mehr darum das ich mir keinen Hund hole und letztlich keine Zeit mit ihm verbringen kann. Wichtig ist vor allem, dass man sich im VORAUS Gedanken darüber macht, wie der eigene Hund am besten betreut werden könnte und nicht erst, wenn er schon da ist. Denn dann ist es zu spät und er wird im schlimmsten Fall irgendwann wieder aus seiner Familie gerissen und abgegeben, weil die Betreuung eben nicht gesichert ist.

 

Wie vereinbart ihr Hund und Job? Erzählt es uns gern in den Kommentaren, wir sind sehr gespannt!

Kommentar schreiben

Kommentare: 3
  • #1

    Lisa & Emma (Montag, 01 Mai 2017 15:02)

    Toller Artikel ♡
    Schade ist das diese Vorwürfe "Job und Hund, wie unverantwortlich " wahrscheinlich jeder kennt. Es ist doof sich immer rechtfertigen zumüssen. Wir gehen auch beide Vollzeit arbeiten, aber wie auch bei euch ist mit Schichten und Hilfe aus der Familie vieles möglich. Und als ich las, das nicht nur ich immer nach arbeit sofort zu Emma gehe. Und manche Aktivitäten einfach hinten angestellt werden war ich sehr erleichtert.

    ♡ toller Schreibstil ♡

  • #2

    Loki der Labrador (Montag, 01 Mai 2017 18:00)

    Im Leben können sich (die beruflichen) Umstände immer ändern. Die Frage ist, wie man als Hundehalter damit umgeht. Und ich finde, ihr macht das gut also lasst euch nicht beirren. Es gibt ja auch Leute, die meinen man sollte sich keinen Hund in der Stadt halten. Wichtig ist aber meiner Meinung nach die Quality Time, also was man mit dem Hund macht und wie man ihn auslastet. Das finde ich besser als wenn er alleine im Garten vergammelt. Und Dauerbespaßung braucht kein Hund. Qualität über Quantität �

  • #3

    Lena & Lilly (Donnerstag, 04 Mai 2017 12:26)

    Ihr sprecht mir aus der Seele! ES GEHT! Wir müssen halt einfach nur gut planen.