14. Februar. 23:45 Uhr. Mitten im Wald. Minus 4 Grad. Stockfinstere Nacht. Um einen herum sind Schatten, von denen man lieber nicht wissen möchte, von wem sie stammen. In der Ferne sieht man Taschenlampen leuchten. Während alle anderen mit ihrem Partner einen romantischen Abend verbringen, suchen wir einen entlaufenen Hund... 2 Tage lang.

 

Willkommen im Leben eines Beagle Besitzers ;-) 

Ok, zugegeben. Das kam nur einmal vor. Zumindest in diesem Ausmaß. Aber als Besitzer eines Beagles ist dieses Szenario nicht ganz soooo abwegig. Die meisten Besitzer standen schon mal alleine ohne Hund im Wald... Der Beagle ist seit jeher ein Jagdhund. Genauer gesagt ein Lauf- und Schweißhund. Ursprünglich in England zur Jagd in der Meute gezüchtet, jagen Beagles sehr sicher und äußerst lautstark (Spurlaut) der Fährte des Wilds hinterher. Dies tun sie beharrlich, ausdauernd und ganz bequem über mehrere Kilometer und über Stunden hinweg. Beagles im Jagdeinsatz haben in der Regel eine fehlende Wildschärfe, sprich sie reißen das Wild nicht sondern sollen es lediglich aufspüren. Timmy tötet noch nicht mal eine Maus, wenn er mal eine gefangen hat... Er spielt lieber mit ihr... Denn Beagles sind äußerst freundliche Hunde ohne jegliche Aggressivität. Stets gut gelaunt, fröhlich, kinderlieb also die perfekten Familienhunde. Laut Rassestandard sollten sie zwischen 33 und 40 cm groß sein und zwischen 10 und 18 Kilogramm wiegen. Fellfarben sind (länderspezifisch) bis auf Leberfarben alle zugelassen. Die bekanntesten sind sicherlich die Tricolour und Bicolour Beagles. Zwingend im Rassenstandard vorgeschrieben ist bei jeder Farbe aber die weiße Schwanzspitze. Egal wo sich der Beagle aufhält, in der Regel sieht man seine weiße Fahne fröhlich wedeln ;-) Ihr seht: Absolute Traumhunde *räusper* 

Die weiße Fahne wedelt im Wind...
Die weiße Fahne wedelt im Wind...
Timmy unter Artgenossen. Na erkennt ihr ihn?
Timmy unter Artgenossen. Na erkennt ihr ihn?
Timmy ist ein typischer Tricolor Beagle... Er wird aber bereits deutlich heller. Vor allem um die Schnute. Sein Rücken war mal pechschwarz.
Timmy ist ein typischer Tricolor Beagle... Er wird aber bereits deutlich heller. Vor allem um die Schnute. Sein Rücken war mal pechschwarz.
Lasst euch nicht von diesem süßen Aussehen täuschen ;-)
Lasst euch nicht von diesem süßen Aussehen täuschen ;-)
Kimberly. Ein Bicolour Mädchen.
Kimberly. Ein Bicolour Mädchen.
Timmy und Klara. Timmy schießt mit seiner Größe etwas über den Standard hinaus.
Timmy und Klara. Timmy schießt mit seiner Größe etwas über den Standard hinaus.

Nom nom nom. Auch Schuhe kann man fressen. (c) Tierfotografie Victoria Kettwig
Nom nom nom. Auch Schuhe kann man fressen. (c) Tierfotografie Victoria Kettwig

So - das war der offizielle Teil, der so oder so ähnlich in jedem Rasseportrait zu finden ist. Kommen wir zum wirklich interessanten, inoffiziellen Teil. Der Wahrheit: 

 

Beagles sind Monster! 

 

Ich beginne dieses kleine Portrait, so wie jenes, welches ich auf dem wunderbaren Blog miDoggy geschrieben habe (Klick!). 

 

Beagles sind keine Hunde! Eher eine Mischung aus Hausschwein, grasender Kuh, kuschelnder Katze und Clown. Noch heute werden sie von ihrer Vergangenheit als Meutehund geprägt. Getreu dem Motto: Wer zu erst kommt, bekommt am meisten zu fressen.

 

Sie sind Verfressen. Wenn Timmy könnte wie er wollte... Würde er kugelrund durch die Gegend rollen. Er frisst alles. Absolut alles. Fleisch, Obst, Gemüse, Butterpapier, Stifte, Bücher, wichtige Briefe, Menschenkacke (Ja, sowas findet man auf Feldwegen), Gras, Taschentücher, Lippenstifte... Im Prinzip besteht der Alltag des Beagle-Besitzers zu 80 % daraus, dem Beagle hinter her zu laufen, um zu schauen, was er jetzt schon wieder gefressen hat... Oder umgekehrt: Der Beagle läuft dem Besitzer hinter her, um zu schauen was dieser da gerade essbares in den Händen hält.

Guter Jagdhund. Waschbär erfolgreich erlegt und apportiert...
Guter Jagdhund. Waschbär erfolgreich erlegt und apportiert...

Diese Verfressenheit hat aber durchaus Vorteile: Man lernt aufzuräumen, Essen nicht unbeobachtet zu lassen (Sie klauen wie die Raben) und regelmäßig den Müll runter bringen (Könnte ja was essbares drin sein, deswegen muss Beagle den sicherheitshalber ausräumen). Aber die Nachteile überwiegen dann doch: Übergewicht. Traurig, da leider nicht selten. Man sieht viel zu viele dicke Beagles. Was nicht zu letzt aber auch an mangelnder Bewegung liegt. 'Ne Runde um den Block ist nicht mit Beagle. Der will laufen. Rennen. Am liebsten natürlich mal richtig jagen... In dem Fall kommt es zu oben beschriebenen romantischen, nächtlichen Waldspaziergängen...

Da die wenigsten Beagle in Jägerhand sind, sollte eine adäquate Beschäftigung geschaffen werden. Die feine Nase eignet sich hervorragend für Mantrailing, Fährtensuche, Zielobjektsuche und ähnlichem. Aber auch Agility oder Trickdogging ist mit Beagle vorstellbar.  Wichtig ist: Ein Beagle WILL und MUSS beschäftigt werden. Was mit einem "arbeitslosen" Beagle passiert? Der wird nicht nur fett... Guckt euch mal die Beißstatistiken in den USA an, welche Rasse dort auf den vordersten Plätzen liegt... 

 

Trotz hartem Trainings, Ersatzbeschäftigungen und absoluter Konsequenz: Es kann sein, dass der Beagle nie ohne Leine laufen wird. Egal, wie viel Zeit und Geld ihr in "Antijagdseminare" investiert. Seid euch dessen bitte bewusst. Der Beagle ist einfach kein Will to please Hund, der seinem Herrchen im Kadavergehorsam mit Blickkontakt auf Schritt und Tritt (ohne Leine) folgt. Es sei denn ihr habt ein Stück Pansen in der Hosentasche... Oder seht aus wie ein Reh. Er ist zwar absolut lernfähig und lernwillig, aber wenn er keinen Bock hat, dann hat er keinen Bock. Basta. Ohne wenn und aber. Er ist ein elender Sturkopf. 

Die Nase ist beim Beagle immer im Einsatz...
Die Nase ist beim Beagle immer im Einsatz...

Apropos Kopf. Dieser ist im Prinzip immer auf dem Boden zu finden, oftmals gepaart mit grunzenden Geräuschen. Erstaunlich, dass ein Beagle nicht permanent gegen Laternen und Bäume läuft. Trotz der großen Ohren hört er dabei übrigens in der Regel sehr schwer. Diese gelegentliche Taubheit ist aber eine typische Krankheit des Beagles, wenn seine Nase am Boden klebt. Da müsst ihr euch keine Sorgen machen, es ist einfach alles interessanter als das was ihr gerade von ihm wollt. Das Rascheln einer Chipstüte würde er aber in diesem Moment auch noch aus 5 Kilometer Entfernung hören... 

 

Die Vergangenheit als Meutehund führt ferner dazu, dass er auch am liebsten mit seiner Meute zusammen ist. Das bedeutet: Er lebt optimalerweise mit einem weiteren Beagle (Hund) zusammen oder seine Meute lässt ihn nicht stundenlang alleine. Einige machen ihrem Ärger über das Alleine-bleiben lautstark Luft. Man sollte sich im besten Fall also ein Haus in Alleinlage kaufen. Oder wahlweise schwerhörige Nachbarn haben. Der Beagle bellt nicht, wenn er alleine ist? Prima. Dann zerlegt er bestimmt gerade die gesamte Einrichtung und hat keine Zeit zum bellen. Keine Sorge, dass Alleine-bleiben kann Hund durchaus lernen... Bei Timmy hat es nur 2,5 Jahre gedauert ;-) Auch das ist also ein wirklich wichtiger Punkt, den man bedenken sollte. Das Alleine-Bleiben kann wirklich zu einem Problem werden. Klar, dass kann es bei jedem Hund aber Beagles neigen halt schon sehr dazu. 

 

Vor der Anschaffung eines Beagles, solltet ihr euch in jedem Fall ein größeres Bett kaufen. Dort schläft der Beagle nämlich am liebsten. Ihr könnt es ihm natürlich verbieten. Aber ihr schafft es eh nicht, seinem Blick zu widerstehen. Wenn er laut schnaufend sein Kopf auf die Bettkante legt und euch anschaut, als würde die Welt untergehen, wenn ihr ihn nicht sofort ins Bett lasst. Manchmal fängt er auch theatralisch an zu zittern. Denn auch bei 40 Grad im Schatten braucht er eine Decke... Ist er einmal oben, sucht er (Achtung! Meutehund!) Körperkontakt. Meistens, in dem er sich 5 Mal im Kreis dreht und sich dann direkt mit voller Wucht auf euch drauf fallen lässt. Natürlich genau dann, wenn ihr gerade eingeschlafen seid...  Dieses Szenario lässt sich auch auf die Couch übertragen. Also kauft auch da am besten eine größere. Nicht zu vergessen: Stühle. Auf dem Schoß sitzen ist nämlich auch total klasse. Übrigens: Besonders nett ist dieser Körperkontakt, wenn Beagle sich vorher ausgiebig in Fuchskacke oder Aas gewälzt hat...

 

Körperkontakt...
Körperkontakt...

Ja, dass klingt alles ganz witzig, gell? Ist es auch. Wenn man Nerven aus Stahl hat. Der Beagle ist ein absolut toller, liebenswürdiger Hund. Er braucht aktive Menschen, die Interesse daran haben sich zwingend mit dem Hund zu beschäftigen. Die ihn absolut konsequent aber liebevoll führen. Man muss mit seinem Sturkopf umgehen können und vorher wissen, worauf man sich einlässt. Ein Beagle ist selten leichtführig und ich gehe sogar soweit, dass ich ihn - entgegen Herrn Rütter - nicht als Anfängerhund bezeichnen würde. Der Beagle strahlt eine Fröhlichkeit aus, wie es vermutlich nur diese Rasse kann. Mit einem Beagle im Haus erhält man einen wundervollen Begleiter, mit dem einen nie langweilig wird. Ich möchte dieses Rasseportrait mit dem selben Fazit abschließen, mit welchem ich auch das Portrait auf dem tollen Blog von Chiru abgeschlossen habe (Klick!):

 

Für eine glückliche Mensch-Beagle Beziehung ist es unerlässlich, jede Menge Humor und eine ordentliche Portion Geduld mitzubringen. Man muss sich die Zeit nehmen, um den Beagle artgerecht auszulasten und sich mit ihm zu beschäftigen. Nur dann bekommt man einen zufriedenen und glücklichen Hund, welcher einem ein treuer Freund sein wird. So oft er mich auch in den Wahnsinn treibt, ich möchte keine Sekunde mehr mit ihm missen. 

 

Ja... Das Bild beschreibt das Wesen eines Beagles ziemlich gut. Während die Goldis brav aufpassen, was die Trainerin erzählt... Interessiert sich Timmy null dafür und sorgt für einen Lacher... (c) Joachim K.
Ja... Das Bild beschreibt das Wesen eines Beagles ziemlich gut. Während die Goldis brav aufpassen, was die Trainerin erzählt... Interessiert sich Timmy null dafür und sorgt für einen Lacher... (c) Joachim K.