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Kastration beim Erwachsenen Hund | Was sich durch die Kastration geändert hat

Wer uns nicht auf Instagram folgt, hat es vermutlich gar nicht so richtig mitbekommen. Im November haben wir Timmy kastrieren lassen. Nach einer schweren Prostataentzündung die er während unseres Urlaubs im Harz bekommen hatte, haben wir uns zusammen mit unserem Tierarzt zu diesem Schritt entschieden. Wir haben uns die Entscheidung alles andere als leicht gemacht. Ich war immer "stolz" darauf sagen zu können, dass Timmy mit seinen 9 Jahren intakt ist und ich hoffte, dass dies immer so bleiben würde. Denn tatsächlich hatte Timmy nie Probleme mit seiner Sexualität und seiner Männlichkeit. Ich mache keinen Hehl daraus, dass ich ein absoluter Kastrationsgegner bin und eine Kastration immer vermieden werden sollte. Mit Ausnahme von vorliegenden medizinischen Gründen natürlich. Ich finde es wirklich schlimm, wie schnell nach wie vor zu einer Kastration geraten wird und auch uns damals (2012) geraten wurde. Unsere erste Hundetrainerin, die wir aufsuchten, weil Timmy schlecht alleine bleiben konnte, empfahl uns als aller erstes eine Kastration. Direkt gefolgt von einem Sprühhalsband... Aber ich möchte jetzt keine Grundsatzdiskussion beginnen und mich hineinsteigern, deshalb weiter im eigentlichen Text. 

 

 

Auf den drei Bildern seht ihr die Anfänge der Entzündung. So sah morgens das Bett aus... Im Laufe der Woche wurde es noch etwas schlimmer und er hat nicht nur im Bett, sondern auch beim Laufen auf dem Fußboden Blut verloren.


 

Auch wir haben es während seiner Prostataentzündung zuerst mit einer Alternative versucht und Timmy mit Tabletten behandelt, welche er jedoch so gar nicht vertragen hat. Diese Tabletten hätte er fortan sein Leben lang bekommen müssen, alle 5 Monate für ein Woche. Wir mussten also abwägen, ob wir ihm diese Tabletten inklusive der Nebenwirkungen alle 5 Monate antun oder ob wir den Schritt der Kastration wagen. Auch eine chemische Kastration, also das Einsetzen des so genannten Kastrationschips, stand im Raum. Aus mehreren Gründen haben wir uns dagegen entschieden, da wir für Timmy eine langfristige Lösung brauchten. Ich will auf die Gründe auch gar nicht so sehr eingehen, denn heute soll es wirklich nur um die Auswirkungen der Kastration auf das Verhalten des Hundes gehen bzw. um das Verhalten von Timmy. Ich kann natürlich nur für Timmy sprechen, denn jeder Hund ist selbstverständlich anders.

 

Vorab möchte ich euch an dieser Stelle noch ein sehr, sehr interessantes und richtig gutes Buch empfehlen. Es ist auch für all die interessant, die keine Kastration planen. Das Buch ist von Sophie Strodtbeck und Udo Gansloßer und heißt Kastration und Verhalten beim Hund*. Generell kann ich euch die Bücher von Sophie Strodtbeck sehr empfehlen. 

 

Wie bei allen Artikeln von uns, die irgendwas mit dem Thema Gesundheit zu tun haben, auch hier nochmal der Hinweis, dass wir nur von unseren persönlichen Erfahrungen sprechen können. Wir sind keine Tierärzte oder haben eine anderweitige medizinische Ausbildung. 

 

 

So jetzt aber genug vorab geplänkelt. 

 

Timmys Verhalten und sein Charakter nach der Kastration

 

 

Die Operation an sich hat Timmy relativ stark zugesetzt. Er wollte an dem Tag nichts essen, war unglaublich träge, hat gefroren und lag zwei Tage lang einfach nur auf der Couch unter einem Berg von Decken und hat geschlafen. Das kannten wir von anderen Narkosen und Eingriffen nicht, aber dies war bislang auch sein längster Eingriff unter Narkose. Die Schmerzen hielten sich in Grenzen, Schmerzmittel musste er tatsächlich nur an den ersten drei Tage nehmen und zum Glück hat er auch alle Wunden (wir hatten ihm noch einige Atherome entfernen lassen) schön in Ruhe gelassen, so dass wir sogar auf einen Kragen verzichten konnten und der Body ausreichend war. 

 

Tag 1 nach der OP.
Tag 1 nach der OP.

Verhalten in der Wohnung

 

Timmy war schon immer sehr, sehr kuschelbedürftig und braucht viel Nähe. Aber vom ersten Tag an nach der OP war er so extrem kuschelbedürftig wie noch nie. Er hat teilweise sogar richtig gejault und gejammert, wenn ich am Schreibtisch saß und er dabei nicht auf meinen Schoss konnte. Sobald ich mit ihm in das Wohnzimmer bin und er sich auf der Couch an mich kuscheln konnte, war seine Welt wieder in Ordnung. Wenn wir uns auf die Couch gelegt haben, dauerte es keine Sekunde bis er direkt auf uns drauf lag. Nicht nur an uns dran sondern richtig auf uns drauf. Stundenlang. Mittlerweile ist es nicht mehr ganz so extrem, aber schon deutlich stärker als es vor der Kastration der Fall war. Sobald wir auf der Couch liegen, kommt er und legt sich an bzw. auf uns und auch heute hat er teilweise Phasen, in denen er jammert wenn er gerade nicht kuscheln kommen kann. Bspw. weil ich eben am Schreibtisch sitze oder auch mal in der Wanne liege. 

 

An dieser Stelle möchte ich direkt eine Sache erwähnen... Wenn euer Hund bislang nicht so verschmust ist und einfach nicht so auf Nähe steht, dann ändert sich das durch eine Kastration nicht zwangsläufig. Es kann sein, muss aber nicht. Und ihn nur deswegen kastrieren zu lassen, ist definitiv der falsche Ansatz. Warum ich das sage? Weil ich zwei Mal gefragt wurde, ob ich eine Kastration empfehle damit der eigene Hund so verschmust wird wie Timmy. Nein. Definitiv nein. 

 

Generell ist Timmy in der Wohnung noch ruhiger als vorher und pennt eigentlich den ganzen Tag. Wenn er tagsüber bei meiner Mama oder ihrem Mann ist, macht er nichts außer schlafen. Ok und nach Essen betteln. Aber selbst wenn ihr Mann mit Timmy den Vormittag im Garten verbringt, dann legt sich Timmy in unsere Gartenhütte und pennt. Vor der Kastration ist er die ganze Zeit durch den Garten gestromert, hat die Beete umgegraben, Holz geklaut und es zerkleinert oder das Obst geerntet. Und heute? Da wird mal kurz hier und da geschnüffelt und dann geht es ab in seinen Sessel und er schläft und schläft und schläft... Vielleicht ändert sich das aber mit den wärmer werdenden Temperaturen, denn seit der Kastration friert er auch schneller. An manchen Tagen hat er sogar in der Wohnung einen Pulli an, weil ihm kalt ist. 

 

Zurück zum Schlafen. Er schläft nicht nur sehr viel seit der Kastration, sondern auch sehr fest. Wobei wir uns hier nicht ganz sicher sind, ob nicht einfach seine Hörleistung im Alter nachlässt und er schlechter hört oder ob er wirklich so tief schläft. Er hört teilweise die Klingel nicht mehr und wenn ich ihn von meiner Mama abhole, dann muss ich ihn teilweise 3-4 Mal ansprechen eh er mitbekommt, dass ich da bin und neben ihm stehe. Normalerweise hört er unsere Autos schon gefühlt aus 5 Kilometern Entfernung... 

 

Aber sehr zu unserer Freude ist er draußen immer noch Hans Dampf in allen Gassen und liebt es nach wie vor auf lange Touren mit uns zu gehen. So faul er drinnen auch sein mag, draußen kann er weiterhin von 0 auf 100 in 2 Sekunden. Er schnüffelt außerdem genauso viel wie vorher, wobei man schon merkt dass es nicht mehr so intensiv ist. Auch markiert er weiterhin gefühlt jede Ecke. 

 

Alleine bleiben

 

Unser altbekanntes Problem... In der ersten Woche nach der Kastration dachten wir er wird niemals wieder alleine bleiben, so viel Nähe wie er plötzlich brauchte. Tatsächlich haben wir ihn die ersten Wochen nach der Kastration auch so gut wie gar nicht alleine gelassen, weil man Timmy anmerkte dass er einfach noch nicht so weit ist. Wir haben dann ganz langsam angefangen ihn für kurze Zeit alleine zu lassen und die Zeit immer etwas verlängert. Und was ist passiert? Nichts. Timmy ist absolut tiefen entspannt und bleibt so souverän alleine wie noch nie zuvor. Er schafft mittlerweile wieder ganz bequem 4 Stunden, ohne jaulen, ohne bellen. Er liegt entspannt auf der Couch oder in seinem Körbchen, er sucht uns nicht mehr und läuft auch nicht mehr aufgeregt in der Wohnung rum. Er ist einfach ganz entspannt. Allerdings mit einer Ausnahme: Ich darf nicht als letzte die Wohnung verlassen. 

 

 

[Werbung] Dank unserer Kamera** sehen wir, dass Timmy absolut entspannt ist.
[Werbung] Dank unserer Kamera** sehen wir, dass Timmy absolut entspannt ist.

Jagdtrieb

 

Eine kleine Veränderungen gibt es in Bezug auf seinen Jagdtrieb. Das dieser sehr deutlich ausgeprägt ist, muss ich wohl nicht extra erwähnen. Jedoch haben wir es im Laufe der letzten Jahre relativ gut unter Kontrolle gehabt, auch wenn er nie frei laufen konnte und es wohl auch nie wird. Aber er hat in der Vergangenheit Wildspuren nicht mehr ganz so intensiv verfolgt, wie es in den ersten Jahren der Fall war. Sehr deutlich hat er aber nach wie vor auf Wildsichtungen reagiert und war auch noch einige Zeit nach der Sichtungen sehr aufgewühlt. Das ist seit der Kastration genau andersrum . Bisher zumindest. Er verfolgt Wildspuren wieder intensiver, ist dabei aber gut ansprechbar wenn auch nicht sicher abrufbar. Und nach Wildsichtungen ist er nicht mehr so kopflos. Er reagiert weiterhin sehr intensiv auf Wild, aber sobald das Wild außer Sichtweite ist, ist Timmy recht schnell wieder entspannt und beschäftigt sich wieder mit den wichtigen Dingen des Beaglelebens: Schnüffeln.  

 

Hundebegegnungen

 

Unser Tierarzt hatte uns schon im Vorfeld erklärt, dass es durchaus passieren kann dass er auf andere Hunde nach der Kastration anders reagieren könnte. Und natürlich andersrum: das andere Hunde auf ihn anders reagieren. Und letzteres war tatsächlich der Fall. Eine Hündin, mit der er sich bislang immer recht gut verstanden hat, reagierte plötzlich sehr "zickig" auf ihn. Die beiden haben sich sonst immer freundlich beschnuppert und dann ist jeder wieder seiner Wege gegangen. Bei der ersten Begegnung nach der Kastration ist sie dann aber unvermittelt nach vorn gegangen und hat ihn sehr deutlich verbellt. Seit dem gehen sich die beiden aus dem Weg. Vor der ersten Begegnung mit seinem Hundekumpel hatten wir danach natürlich ein wenig Sorge, aber bei den beiden ist alles wie immer. Außer dass sein Kumpel ihm etwas länger am Hintern schnuppert und zwei, dreimal versucht hat, Timmy zu besteigen. Aber nach einer deutlichen Ansage von Timmy war auch das Geschichte und neulich haben die beiden wieder richtig schön miteinander gespielt.

Im Großen und Ganzen hat sich aber in Bezug auf andere Hunde nichts geändert. 

 

Ich bin gespannt wie Timmy zukünftig auf andere Kastraten reagiert. Denn als Timmy intakt war, war er ja in einige Kastraten "schwer verliebt" und zeitweise sehr, sehr aufdringlich.  

 

Fressen

 

Beagletypisch war er natürlich schon immer unglaublich verfressen. Man hätte nicht gedacht, dass das noch steigerungsfähig ist aber ja, ist es tatsächlich. Er ist beim betteln ein klein wenig penetranter geworden und jetzt wird auch schon mal leise gejammert, wenn er gerne Abendessen hätte. Aber worauf wir sehr stolz sind: Er hält seit der Kastration sein Gewicht und hat bislang nicht zugenommen. Wir wollen seinen Futterplan jetzt nochmal von der lieben Dini von Hundekinder Futtercoach / Hundekind Abby überprüfen lassen, damit das in Zukunft auch weiterhin so bleibt mit seinem Gewicht. 

 

Kurioses

 

Das für uns kurioseste folgte etwa zwei Wochen nach der Kastration. Wir hatten ihm im Urlaub ein quietschendes Nilpferd gekauft, mit dem er super gern spielte. Nun fing er aber plötzlich an, sein Nilpferd wie einen Welpen zu behandeln. Er trug es vorsichtig mit rum, wollte es an "sichere" Orte bringen, legte es liebevoll in seinen Korb, putzte es fürsorglich und manchmal sprang er plötzlich aus dem Schlaf von der Couch auf, holte sein Nilpferd aus dem Korb, nahm es mit auf die Couch und kuschelte mit ihm. Aber nicht nur das... Er entwickelte plötzlich Zitzen. Timmy bekam am Bauch tatsächlich Zitzen. Mittlerweile sind die wieder zurückgegangen und auch das Nilpferd wird nicht mehr bemuttert, sondern nur normal bespielt aber das war schon sehr kurios für uns und teils auch sehr erschreckend, was die Kastration offensichtlich für ein Hormonchaos verursachen kann. 

 

Fazit

 

Im Großen und Ganzen halten sich die Veränderungen durch die Kastration bei ihm wirklich in Grenzen. Aus ihm ist kein völlig anderer Hund geworden und es haben sich tatsächlich lediglich vorhandene Verhaltensweisen verstärkt bzw. sind diese abgeschwächt. Da bin ich unglaublich froh drüber. Aber mich haben tatsächlich auch einige Nachrichten über Instagram erreicht und da waren die Auswirkungen der Kastration deutlich krasser und teils sehr erschreckend. So hat ein Rüde beispielsweise eine komplette Milchleiste entwickelt. Irre. 

 

Auch wenn es Timmy jetzt sehr gut geht, er alles gut vertragen hat und sich die Veränderungen ja wirklich in Grenzen halten: Ich würde auch zukünftig immer erstmal Alternativen austesten bevor ich einen bzw. meinen Hund kastrieren lasse. Bereut haben wir es allerdings nicht, denn Timmy geht es jetzt einfach besser.

 

Fit wie eh und je :-)
Fit wie eh und je :-)

 

Falls eure Hunde auch kastriert sind, erzählt mir gern ob und wie sie sich durch die Kastration verändert haben. Auch würde mich interessieren, ob ihr euch wieder so entscheiden würdet? 


* bei dem Link handelt es sich um einen so genannten Affiliate Link 

** die Kamera haben wir letztes Jahr im Rahmen einer Kooperation kostenlos erhalten

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