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[miDoggy Parade] Zweithund - Immer eine gute Idee?

Timmy und Funny - die Vizsla Hündin meines Patenonkels.
Timmy und Funny - die Vizsla Hündin meines Patenonkels.

Diesen Monat schaffen wir es endlich mal wieder, an der miDoggy Parade teilzunehmen. Die miDoggy Parade ist eine Blogparade, bei der es jeden Monat ein neues Thema gibt, zu welchem dann - von jedem der Lust hat - ein Beitrag auf dem eigenen Blog oder in der Community veröffentlicht werden kann. Ins Leben gerufen wurde die miDoggy Parade von Julia, der Gründerin der miDoggy Community und des Blogs miDoggy.  

 

Diesen Monat lautet das Thema also "Zweithund - Immer eine gute Idee?". Ein Thema was sehr gut passt, denn hierzu schlummert schon länger ein Artikel auf unserer Festplatte, welcher nun also endlich fertig gestellt wird. Tatsächlich haben wir manchmal das Gefühl, dass wir als Einzelhundhalter schon fast zu den Exoten zählen. Zumindest wenn wir so in den Sozialen Netzwerken unterwegs sind, hab ich schon das Gefühl, dass der Trend zum Zweithund geht. Im privaten Umfeld ist das jedoch nicht der Fall. Tatsächlich haben wir recht wenig Hundefreunde mit mehr als einem Hund. 

Zugegeben: So viele Beagles auf einem Haufen sind schon was feines :-)
Zugegeben: So viele Beagles auf einem Haufen sind schon was feines :-)

 

Braucht ein Beagle einen weiteren Hund?

 

Wie im Teaser bereits erwähnt, zählt der Beagle ja seit jeher zu den Meutehunden. Das heißt, er wurde ursprünglich zur Jagd in der Meute gezüchtet und auch heute erkennt man noch einige Charakterzüge der Meutehunde. Zum einen die Verfressenheit aber eben auch, dass er am liebsten mit seiner Meute zusammen ist. In unserem etwas anderen Rasseportrait habe ich geschrieben, dass ein Beagle optimalerweise mit einem anderen Hund zusammenlebt, da Beagles dazu neigen Schwierigkeiten mit dem Alleine bleiben zu haben. Auch wir hatten anfänglich große Schwierigkeiten mit dem Alleine bleiben und es hat lange gedauert, bis es so souverän klappt wie heute. Aber ob ein anderer Hund daran etwas geändert hätte? Das weiß ich natürlich nicht, wir haben es nie ausprobiert. Von anderen Beaglehaltern haben wir gehört, dass das die Lösung des Problems war aber mindestens genauso viele haben davon berichtet, dass dann einfach beide Hunde zusammen Lärm gemacht haben, wenn sie alleine waren. Aber darum soll es ja heute gar nicht gehen. 

 

Lange Zeit haben wir uns ja in verschiedensten Formen mit anderen Beaglehaltern ausgetauscht. Und nicht selten wurde uns - freundlich ausgedrückt - nahegelegt, dass ein Beagle alleine niemals glücklich werden wird. Einen Beagle alleine zu halten, käme quasi Tierquälerei gleich. Falls ihr Langeweile habt, dann googlet euch ruhig mal durch ein paar Hundeforen mit den Stichworten "Beagle alleine halten". Ich bin mir sicher, dann versteht ihr, warum wir uns nur noch selten mit anderen Beaglehaltern austauschen möchten. Grundsätzlich haben sie natürlich recht aber: Jeder Hund ist anders. Und auch wenn die meisten Beagles die gleichen Macken haben, so hat doch jeder seinen eigenen Charakter. Und nicht jeder Beagle hat zwingend Bock auf einen anderen Hund im Haus. So zum Beispiel Timmy. 

 

Braucht Timmy einen Hundekumpel zu Hause?

 

 

Timmy ist dahingehend ja tatsächlich eher Beagleuntypisch. Er hat recht wenig Interesse an anderen Hunden, er akzeptiert sie in seiner Nähe, es stört ihn auch nicht mit anderen Hunden gemeinsam spazieren zu gehen aber innige Hundefreundschaften pflegt er nicht (mehr). Zugegeben, das war nicht immer so. Als Junghund hatte er seine Spielkameraden im Dorf, er hatte seine Mädels in der Hundeschule und auch als er in Pension war, hat er häufig mit anderen Hunden gespielt, gemeinsam geschnüffelt etc. Aber heute? Hat er eigentlich nur noch einen Hundekumpel mit dem er ab und an mal über die Felder rennt aber sonst interessieren ihn andere Hunde null. Nada. Niente. Mit einer Ausnahme: Ältere Hundedamen. Für die hat er eine Schwäche, seit seine beste Hundefreundin im Alter von 15 Jahren verstarb. Die beiden waren goldig zusammen. Lange Zeit waren wir regelmäßig mit ihm auf einem Beaglespielplatz. Die ersten Male hat er noch teils sehr ausdauernd und sehr ausgiebig mit den anderen gespielt, beim letzten Besuch hat er es vorgezogen bei mir zu sitzen und das ganze Treiben aus sicherer Entfernung zu beobachten. Egal wie viel Mühe sich die anderen gaben ihm zum spielen aufzufordern, Timmy schnüffelte lieber alleine für sich oder lag rum und beobachtete zusammen mit den älteren Hundedamen. Und da kam dann so richtig die Erkenntnis, dass er das wirklich einfach nicht mehr will. Ich würde ja sagen, er ist erwachsen geworden aber im Herzen wird er wohl auf ewig ein Jungspund bleiben. Ich denke also, Timmy würde jetzt nicht unbedingt Freudensprünge machen, wenn er einen Kumpel bekäme. Wir probierten es dennoch... 

Wenn der Ersthund den Zweithund am liebsten Fressen würde...

 

Der Wunsch nach einem Zweithund - der bei uns beiden schon recht lange besteht - blieb jedoch und als wir Anfang 2016 Bekannten halfen ein neues Zuhause für einen jungen Beagle zu suchen, boten wir an, dass der andere Hund übergangsweise bei uns bleiben könne. So konnten wir zwei Fliegen mit einer Klappe schlagen. Dem anderen Hund helfen und schauen, ob Timmy einen zweiten Hund akzeptieren könne. Wie naiv wir doch waren. Die Zusammenführung der beiden klappte prima, allerdings waren wir da draußen im Garten. Als wir die Wohnung betraten lernte ich Timmy von einer anderen Seite kennen. Wir mussten den Kleinen zu seiner Sicherheit in die Box sperren und es endete damit, dass Timmy die Nacht bei meiner Mama verbrachte und der Kleine bei uns. Vorher hatte Timmy übrigens keine Probleme mit anderen Hunden in unserer Wohnung. Allerdings war uns nicht bewusst, dass das andere Hündinnen waren und der Kleine ein Rüde. Daran haben wir schlicht nicht gedacht. Die Gedanken an einen Zweithund wurden beiseite geschoben und wir einigten uns darauf, dass Timmy - zu seinem Wohl - ein Einzelhund bleiben würde. 

 

Im Laufe der Zeit kamen wir aber irgendwann zu der Erkenntnis, dass Timmy vor allem dann ein Problem mit anderen Hunden hat, wenn er sich mit diesen in geschlossenen Räumen befindet. So gut er sich draußen mit der jungen Vizsla Hündin verstanden hat, so sehr sind sie sich im Haus meiner Oma aus dem Weg gegangen. Timmy findet es ganz, ganz schlimm wenn er das Gefühl hat, dass er bedrängt wird. Draußen kann er ausweichen, im Haus oder in geschlossenen Räumen gestaltet sich das schwierig. Und wenn es dann auch noch Rüden sind... Auf die Erkenntnis hätten wir natürlich auch eher mal kommen können, aber aus Fehlern lernt man. Wir haben es uns damals quasi ein Stück weit selber versaut. 

 

Mit der Hündin meines Vaters, eine gleichaltrige Berner Sennenhündin, sieht das ganze jedoch schon wieder ganz anders aus. Sie liegen zwar nicht kuschelnd nebeneinander aber sie haben auch in geschlossenen Räumen kein Problem miteinander. Da wären wir wieder bei den älteren Hündinnen. Als Timmy zuletzt in Pension war, hat er sich sogar mit 5 Mädels ein Körbchen geteilt (das war für uns eine kleine Sensation. So nah hat er bislang eigentlich noch nie einen Hund an sich ran gelassen.). Es waren übrigens alles ältere Beaglehündinnen. 

Dich mag ich. Obwohl du erst 2 Jahre alt bist.
Dich mag ich. Obwohl du erst 2 Jahre alt bist.

Eine Entscheidung zum Wohle des Ersthundes...

 

Natürlich besteht auch weiterhin der Wunsch nach einem Zweithund, aber wir würden dafür nie Timmys Interessen "vernachlässigen" bzw. ihm einen zweiten Hund aufdrängen, nur weil wir das unbedingt wollen. Ich finde, da muss man zum Wohle des ersten Hundes entscheiden und seinen eigenen Egoismus hinten anstellen. Bekannte von uns hatten jahrelang zwei Hündinnen, die sich schlicht nicht leiden konnten. Der älteren Hündin wurde die zweite, viel jüngere Hündin, vor die Nase gesetzt und nach dem Motto "ihr macht das schon" sich selbst überlassen. Über all die Jahre, die die beiden zusammen leben mussten, kam es mehr als einmal zum ernsthaften Streit. Diese endeten nicht selten mit Bisswunden und trotzdem kam niemand auf die Idee, zum Wohle der Hunde zu entscheiden. Natürlich ist es schwer, einen Hund wegzugeben - keine Frage. Aber warum tut man seinen Hunden über Jahre diesen Stress an? Die Hunde haben keine Wahl, sie müssen damit irgendwie leben. Die Frage ist, wie lebenswert das tatsächlich für die Hunde dann ist. 

 

Wie gesagt, jeder Hund ist anders. Aber es ist in meinen Augen schon schwierig, einem deutlich älteren Hund einen Welpen an die Seite zu setzen, wenn dieser das nicht kennt oder gewöhnt ist. Ein Welpe oder ein Junghund hat i. d. R. andere Bedürfnisse als der Ältere. Während dieser vielleicht auch mal lieber seine Ruhe hat, will der Junge Hund Action. Für Timmy wäre das der absolute Horror, wenn ein Welpe um ihn herum springen würde. Auch sollten die beiden natürlich vom Charakter her zusammen passen und auch das Geschlecht sollte passen. Timmy wird niemals mit einem Rüden zusammen leben und er würde auch niemals einen Rüden in der Wohnung akzeptieren. Bei Hündinnen klappt es - wie oben erwähnt -, sofern die Chemie und das Alter stimmt. 

 

Aber all das mussten wir erstmal verstehen! Wir dachten damals wirklich, wir helfen dem Kleinen Beagle und Timmy akzeptiert von jetzt auf gleich, dass da plötzlich ein anderer Rüde in seinem "Revier" rum rennt. Timmy kennt es nicht, sein Spielzeug zu teilen. Er kennt es nicht, seinen Schlafplatz zu teilen oder gar sein Futter. Er hat es nie gelernt und wir haben es ihm auch nie beigebracht. 

 

 Ist ein Zweithund also immer eine gute Idee? 

 

Wir sagen: Nein, nicht immer. Nicht jeder Hund will einen zweiten Hund in seinem Haus, egal aus welchen Gründen. Und da sollte man als Halter immer und ohne Ausnahme im Sinne des ersten Hundes entscheiden. Und auch, wenn es am Anfang ganz gut klappt, wenn sich im Laufe der Zeit ernsthafte (!) Probleme zwischen den beiden entwickeln, dann sollte immer zum Wohle der Hunde entschieden werden. Auch, wenn das bedeutet, für den zweiten Hund ein neues zu Hause zu suchen. So hart das jetzt klingen mag, aber will man wirklich beiden Hunden für die nächsten 5 oder 10 Jahre diesen Stress antun? Ich rede hier natürlich von ernsthaften Problemen und nicht davon, dass die Hunde nicht miteinander kuscheln oder spielen wollen. 

Hinzu kommen dann selbstverständlich auch noch Faktoren wie die Zeit. Hab ich genug Zeit für zwei Hunde? Ein zweiter Hund läuft nicht einfach nebenher. Er muss ggf. noch erzogen werden, man sollte sich auch mal Zeit für Einzelrunden oder Einzeltrainings nehmen und sollte auch auf verschiedene Bedürfnisse von zwei Hunden eingehen können. 

Das liebe Geld spielt natürlich auch noch eine Rolle. Zwei Hunde kosten selbstverständlich mehr. Mehr Futter, mehr Zubehör, mehr Tierarztkosten, mehr Versicherung, mehr Steuern. Kann ich mir das leisten? 

Es gibt natürlich noch viel mehr Faktoren, die ich jetzt aber gar nicht alle aufzählen möchte. Wer sich für einen Zweithund interessiert und überlegt, welche Voraussetzungen hierfür erfüllt sein sollte, der kann gerne mal auf dem Blog Dietutnichts von Sabrina vorbeischauen. 

 

Was bedeutet das für uns und Timmy?

 

In den letzten Jahren hat sich herauskristallisiert, dass Timmy eher zur Kategorie "verwöhnter Einzelhund" gehört. Ein zweiter Hund würde von ihm nur akzeptiert werden, sofern es sich um eine ältere (Beagle) Hündin handelt. Eine, die einen ähnlich ausgeglichenen Charakter hat und gerne auch mal nur faul rumliegt aber dennoch auch auf längere Wandertouren mit kommt. Eine, die ihn nicht permanent zum spielen auffordert oder ihn bedrängt, wenn er lieber seine Ruhe genießen mag. Eine, die nicht aus seinem Napf frisst und nicht seinen Ball nimmt. Und vor allem würde ein Zweithund auch nur dann für uns in Frage kommen, wenn wir unser Traumhaus gefunden bzw. gebaut haben. Ob all diese Punkte zur selben Zeit wahrscheinlich sind? Ich weiß es nicht. Vielleicht finden wir irgendwann genau diese Hündin. Und wenn nicht? Dann bleibt Timmy bis ins hohe Alter unser kleines, verwöhntes Prinzesschen ;-) 

 

Damals als er toben mit der Beaglegruppe noch gut fand.
Damals als er toben mit der Beaglegruppe noch gut fand.

Und nun interessiert uns natürlich, wie ihr das seht. Zweithund ja oder nein? Wie ist das bei euch? Würde euer Ersthund einen zweiten Hund gut finden? Und habt ihr vielleicht auch schon mal schlechte Erfahrungen mit dem Einzug eines Zweithundes gemacht?


Kommentare: 2
  • #2

    Natascha (Montag, 05 März 2018 22:05)

    Theo ist ein 5 jähriger kastrierter Beaglerüde der in einer Meute aufgewachsen ist. Seit 1 Jahr wohnt er bei mir als Einzelhund und ist damit sehr zufrieden. Ihn hat die Hunde Gruppe sicherlich gestört da er ruhig und gelassen ist und die anderen Hunde ihn oft gestört haben. Ich dachte auch schon an einen zweiten Hund, da ich beobachtet habe dass er sich prinzipiell gut mit anderen Hunden verträgt und auch deren Anwesenheit genießen kann. Aber in maßen, wie ich mittlerweile erkannt habe. Er hat seine Freunde, er tobt manchmal sogar mit ihnen aber oft begrüßt er selbst die besten Freunde mal kurz, dreht sich um und geht. Ich war anfangs fast verstört, da ich dachte dass ich etwas falsch gemacht habe seitdem er bei mir ist. Aber im Gegenteil, ich lasse ihn in Ruhe, meistens freut er sich übers kuscheln mit Menschen aber selbst mit mir will er manchmal nix zu tun haben und trollt sich ins Körbchen, wo ich ihn in ruhe lasse. Und das genießt er sehr, er kommt leicht zur Ruhe und ist trotzdem er manchmal ein Einsiedler ist ein fröhlicher und freundlicher Hund. Ich würde ihm aktuell keinen zweiten Hund und kein anderes haustier antun, da er dem Status als (Achtung provokant formuliert) "Einzelkind" sehr schätzt und die volle Aufmerksamkeit von mir, meinem Partner, meiner Familie, meinen Freund*innen und Kolleg*innen (er darf mit in die Arbeit) bekommt.

  • #1

    Anja mit Frau Alma (Montag, 05 März 2018 19:23)

    Wir reihen uns mit euch ein - Alma bleibt auch ein Einzel-Hund. Genau wie bei Timmy würde sie ein Hund verrückt machen, der nicht ihre Individualdistanz akzeptiert bzw. zu aufgeweckt ist. Bei uns kommen aber auch noch die finanziellen Verpflichtungen eines zweiten Hundes dazu, denn wenn ich überlege, wie viel Geld wir im Monat für Almas tierärztliche Behandlungen ausgeben, wäre ein zweiter Hund einfach nicht mehr drin. Ich habe übrigens nur Mehrhundehalter im Freundeskreis, meine eigene Schwester hat drei Hunde �.