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Und plötzlich trifft es den eigenen Hund | Giftköder

Eins vorweg: Timmy geht es wieder gut!

 

Ich habe lange überlegt, ob wir zu den Ereignissen in der vergangenen Woche etwas schreiben sollen oder nicht. Wir haben uns dafür entschlossen, denn letztlich zeigt es, das auch wir nicht vor so etwas gefeit sind. Auch wenn es nach wie vor Leser gibt, die denken bei uns ist alles perfekt bzw. muss alles perfekt sein, weil wir einen Blog führen. Aber so ist dem eben nicht. 

 

Unser Timmy hat in den frühen Morgenstunden des 06.09.2016 ein Stück Leberwurst mit einer recht hohen Menge Rattengift darin aufgenommen.

 

Wie es dazu kam...

 

Ich bin wie jeden Morgen - wenn das Herrchen Frühschicht hat - kurz vor 5 Uhr mit Timmy zu unserer  Einstündigen Morgenrunde aufgebrochen. Da es mittlerweile morgens schon wieder sehr dunkel ist, gehen wir nicht mehr Richtung Wald und Feld sondern laufen vermehrt durchs Dorf. Wir laufen somit jeden Morgen dieselbe Strecke und so auch am Dienstagmorgen. Timmy schnüffelte gerade auf der Wiese als ich auf dem Bürgersteig etwas liegen sah. Im leichten Schein der Laterne sah es aus, wie ein aufgeweichtes Stück Brötchen und ich schenkte dem keinerlei Beachtung. An dem Tag war gelbe Tonne und da liegt öfter mal Müll rum, weil die Säcke nicht richtig verschlossen sind. Ich lief also mit Timmy weiter und er schaute kurz zu dem vermeintlichen Brötchen, ignorierte es und wir setzten unseren Weg fort. Wir kamen an dem Morgen nicht sonderlich weit, da Timmy furchtbar unruhig war und permanent ein Gebüsch am Ortsausgang fixierte. Irgendwann begann er zu knurren, stellte die Nackenhaare auf und wir drehten um. An der Stelle stehen keinerlei Laternen, es war stockfinster und wenn Timmy so reagiert, dann wird einem auch als Frauchen irgendwie mulmig. Wir gingen also denselben Weg zurück, um dann eine andere Strecke zu laufen. Wir mussten somit wieder am "Brötchen" vorbei und da Timmy es auf dem Hinweg bereits ignorierte, hab ich - und das muss ich ehrlich gestehen - nicht weiter darauf geachtet. Tja und dann passierte es... Timmy schnappte danach und begann zu kauen. Da er morgens immer an der kurzen Leine läuft, bemerkte ich es natürlich sofort und sagte "Pfui". Er spuckte zum Glück den Rest sofort wieder aus, also hob ich den Rest schnell auf und wollte ihn in eine der gelben Tonnen entsorgen bis ich bemerkte, dass es sich um ein Stück Leberwurst handelt.

Das war dann tatsächlich der erste Moment, in dem mir plötzlich ziemlich flau im Magen wurde und ich an einen Giftköder dachte. So schaute ich mir die Wurst im Licht genauer an und sah schließlich, die ganzen schwarzen Pellets, die aus der Wurst quellten… Genau an der Stelle, an der man auch schön die Abdrücke von Timmys Zähnen erkennen konnte… Das flaue Gefühl wandelte sich in eine recht ausgeprägte Übelkeit…

 

Das war einer dieser Moment, den ich ganz bestimmt so schnell nicht vergesse. Ich schaue runter auf Timmy, der mich freudig schmatzend anschaut und darauf wartet, dass Frauchen ihm die restliche Leberwurst gibt und in meiner Hand halte ich einen Giftköder. Einer von jenen, wie ich ihn schon so oft im Internet gesehen habe, wenn wieder jemand davor gewarnt hat…

 

Ich habe den Köder eingesteckt und bin zu meiner Mutti gerannt, denn sie sollte an dem Tag eigentlich auf Timmy aufpassen während wir auf Arbeit sind. Völlig aufgelöst stand ich dann also viertel 6 bei meiner Mama und wusste vor Schreck nicht, was ich nun am besten tun soll. Sie hat mich beruhigt und ich habe den Tiernotdienst angerufen. Dieser sagte, dass er in 20 Minuten in der Tierklinik sein wird und wir fuhren los. Wir brauchten ca. 10 Minuten und die Nachtwache hat uns in die Klinik gelassen. Wir haben Timmy schon mal gewogen (*räusper* Da muss ein Kilo runter) und haben auf die Ärztin gewartet. Als diese kam hat Timmy direkt eine Spritze bekommen, welche ihn zum Erbrechen bringen sollte. Das sollte ca. 5-10 Minuten dauern. Nach 40 Minuten hatte Timmy immer noch nicht gebrochen.  Der nächste Schritt? Magen auspumpen unter Narkose. Gott sei Dank fing er dann aber endlich an zu brechen und es kam eine ordentlich Menge mit raus. Der Dicke saß da wie ein Häufchen Elend und hat sich die Seele aus dem Leib gekotzt :-(

 

Im Anschluss daran durfte ich ihn - unter strenger Beobachtung - erstmal wieder mit Nachhause nehmen. Es ging ihm ziemlich mies. Er war unruhig, hatte Bauchweh und war sehr, sehr anhänglich. Er ist mir nicht mehr von der Seite gewichen. Ich hab ihn dann aber erstmal zu meiner Mutti gebracht, um draußen noch einmal nach weiteren Ködern zu suchen. Zum Glück konnte ich keine weiteren entdecken.

 

Wer sich wundert, warum Timmy mit nach Hause durfte: Rattengift wirkt erst nach 2-3 Tagen. Man hätte auch in der Klinik - abgesehen von dem Erbrechen - nicht viel mit ihm machen können, außer ihn zu beobachten. Und da Timmy panische Angst beim Arzt hat - vor allem in der Tierklinik - wollte ich ihm diesen ganzen Stress ersparen.

 

Timmy war dann Dienstag und Mittwoch noch recht schlapp und hat viel geschlafen. Ab Donnerstag ging es ihm besser, er hat auch wieder völlig normal gefressen und konnte schon wieder den Mülleimer plündern ;-)

 

Freitag stand nochmal eine Untersuchung in der Tierklinik an. Timmy war furchtbar nervös beim Arzt. Er hat extrem gezittert, hatte panische Angst und konnte sich absolut null entspannen. Diesmal half es auch nichts, dass ich ihn auf den Schoß genommen habe. Das hilft sonst immer. Leider wird seine Panik beim Arzt von Mal zu Mal schlimmer und es ist fast unmöglich, mit ihm alleine zum Arzt zu gehen. Er wurde nochmal gründlich untersucht. Das Herz klang ok, die Lunge ebenfalls. Das Zahnfleisch sah gut aus und auch der Rest war unauffällig. Wir haben dann auch eine Blutabnahme verzichtet (man hätte seinen Hämakrotitwert / den Gerinnungsfaktor testen lassen können), da sein Allgemeinzustand so gut war und natürlich wegen seiner Panik. Wir wollten ihm nicht unnötig Stress antun. Timmy war nun also offiziell über den Berg, er wird allerdings nach wie vor noch beobachtet. 

 

Heute waren wir das erste Mal wieder eine größere Strecke Fahrrad fahren und er ist wieder super fit.

Gleich am Dienstagabend haben wir direkt Anzeige bei der Polizei erstattet. Ich hatte eine sehr nette Polizisten - selbst Hundehalterin - die unsere Anzeige aufgenommen hat. Die Anzeige wurde an die zuständige Kripo weitergeleitet und es werden nächste Woche Ermittlungen im  Ort durchgeführt. Der Vorfall wird also hoffentlich ernst genommen und ich bin gespannt, wie sich alles entwickelt.

 

Vor ziemlich genau einem Jahr gab es schon mal eine Vergiftung bei uns. Damals traf es Timmys Kumpel, einen kleinen Dackel. Zum selben Zeitpunkt zeigte Timmy selber Anzeichen einer Vergiftung, allerdings konnten wir das damals nicht zweifelsfrei nachweisen. Es besteht die Möglichkeit, dass er damals "nur" mit einer schlimmeren Magen-Darm Geschichte zu kämpfen hatte und der Zeitpunkt reiner Zufall war. Nun haben wir aber erfahren, dass es neben den Dackel und neben uns noch zwei weitere Familien betrifft. Insgesamt liegen nun 3 Strafanzeigen vor, wobei eine Familie nicht mit uns zusammen arbeiten möchte… Warum? Tja, das wüssten wir auch gern. Vermutlich weil sie denken, es bringt ja eh nichts. Aber wenn alle so denken, dann bringt es wirklich nichts.

 

Neben den gezielten Angriffen mit Gift kam es übrigens auch zu weiteren Angriffen mit so genannten Krampen auf einen der Hunde. Googelt das mal, falls ihr das nicht kennt… 

 

So ganz rum sitzen und Nichtstun - während dieser "Mensch" - noch fröhlich draußen rumläuft, können wir natürlich nicht. So haben wir am Mittwoch in Absprache mit der Polizei im Dorf Flyer verteilt, damit auch die Leute ohne Facebook und Internet Bescheid wissen. Aber natürlich auch, damit alle die Augen aufhalten um den Täter vielleicht von weiteren Taten abhalten. Die Rechnung ging leider nicht auf, denn bereits am letzten Freitag wurden erneut Rattengift in einem Hof gefunden… Und am heutigen Nachmittag wurde wieder mit Krampen geschossen...

 

Eine völlig gestörte Person hat also Spaß daran, unsere Tiere zu quälen. Auf völlig feige und hinterhältige Art und Weise. Denn Rattengift führt zu einem langsamen und qualvollen Tod. Und auch das Abschießen mit Krampen oder Armbrustpfeilen (so geschehen hier in einem Schafsgehege...) bereitet den Tieren mit Sicherheit keine Freude. Wir leben hier in einem 400 Einwohner Dorf. Jeder kennt jeden. Und diese Person läuft jeden Tag an uns allen vorbei und grüßt freundlich… Glaubt mir, es ist wahrlich nicht einfach die Ruhe zu bewahren. 

 

Übrigens haben wir durch diese Sache mittlerweile mit einigen Leuten gesprochen und dabei kamen noch weitere wirklich unschöne Dinge raus, die aber nichts mit diesen Angriffen zu tun haben. Sondern mit Gewalt der eigenen Besitzer zu ihren Tieren. Kinder, die ihren Hund ausführen um ihn im Anschluss daran im Garten brutal zu treten und zu schlagen. Eltern, die dabei zu schauen und nichts unternehmen. Gestern Abend haben wir am See einen Mann beobachtet, der mit einem Stock 2 Mal brutal auf den Rücken seines Schäferhundes geschlagen hat weil der Hund nicht im Sitz blieb, sondern sich hinstellte. So viel Gewalt, so viel Hass gegenüber Tieren schockiert mich. 

 

Man denkt immer, es geht nicht schlimmer… Falsch. Täglich schafft es jemand, noch einen drauf zu setzen. 

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Kommentare: 7
  • #1

    Andy (Samstag, 17 September 2016 01:38)

    Hi Voctoria,
    Keine schöne Geschichte. Zum Glück ist alles gut ausgegangen. Früher lagen bei uns in Berlin auch gelegentlich mal Giftköder rum, in München auch, aber zum Glück nicht in unserer Nähe.
    In Berlin kann man Anti-Giftköder Kurse machen, dass der Hund lernt dass Futter vom Boden "pfui" ist. Vllt gibts sowas ja auch in deiner Nähe?
    Aber Timmy hat Recht: Tierarzt ist böse. Immer wird man gepiekst - sonst geht man ja auch nicht zum Tierarzt.
    Ich war neulich mal beim Tierartz ohne das was passiert ist - weil wir uns mit dem Termin vertan hatten. Hund saß also aufm Tisch, bekam n Leckerli, dann konnten wir wieder gehen. Das mach ich demnächst noch mal, damit er merkt, dass Tierarzt nicht immer gleich Spritze bedeutet.

    Viele Grüße,
    Andy

  • #2

    Danni (Samstag, 17 September 2016 07:23)

    Wie schrecklich, gerade die Tage in denen man warten muss wie schlimm sich die Vergiftung bemerkbar macht. Es tut mir leid, zu lesen was ihr durchgemacht habt und gleichzeitig bin ich erleichtert, dass es gerade nochmal gut ausging.
    Vorbildlich und wichtig, dass Du nach weiteren Ködern auf die Suche gegangen bist und initiativ Kontakt zu den anderen Opfern gesucht hast. Hoffentlich wird der Psycho bald dingfest gemacht. Unfassbar manche Menschen.
    GLG Danni

  • #3

    Socke-nHalterin (Samstag, 17 September 2016 19:36)

    Ich finde es gut, dass Du von dem schlimmen Erlebnis erzählt hast. Zum Glück ist alles gut gegangen. Ich aber werde jetzt wieder etwas achtsamer sein, denn ganz ehrlich fühlte ich mich sicher und vergaß die Gefahr. Ich nehme jetzt immer die teschenlampe mit und achte mehr auf das, was so rumliegt.

    Viele liebe Grüße
    Sabine mit Socke

  • #4

    Bonjo (Samstag, 17 September 2016 23:29)

    Ohh was für eine schreckliche Sache sowas. Bei uns im Dorf hingen auch mal solche Warnschilder.... wer kann schon solche Leute verstehen... *kopfschüttel*

    Schlabbergrüße Bonjo

  • #5

    Steffi (Mittwoch, 21 September 2016 13:39)

    Oh mein Gott!!!!
    Ich habe ja schon über Eure fb-Seite mit Euch mitgefiebert und alles erdenkliche Gute geschickt! Zum Glück ist es für Timmy gut ausgegangen!
    Aber nun komme ich dazu Deinen Beitrag zu lesen und mir wird gerade ganz anders!!! Was denken sich solche Menschen dabei? Was müssen sie für einen Haß auf Hunde haben? Und vor allem WARUM?
    Es ist schlimm zu wissen dass es Menschen gibt, die Freude daran haben, unschuldige Geschöpfe zu quälen und zu misshandeln und sie sogar zu töten!
    Aber ich werde solche Menschen auch nicht im geringsten Ansatz verstehen können....
    Wir hoffen nur dass es bei Euch keinen weiteren Hund mehr trifft!!!!

    Dicken Knuddler an Timmy!

    Viele liebe Grüße
    Steffi mit Ren & Stimpy

  • #6

    Victor (Donnerstag, 29 September 2016 08:16)

    Das ist wirklich furchtbar. Hoffe dein Hund hat alles gut überstanden und Ihr findet den Mistkerl.
    Zum Glück hatten wir noch nie Giftködervorfälle in unseren Ort. Jetzt weiß Ich auch endlich was Krampen sind. Ich werde noch besser aufpassen beim Glasigehen. Habe mir auch die APP "Giftköderradar" als Prävention runtergeladen sehr zu empfehlen.

  • #7

    Natalie (Mittwoch, 31 Mai 2017 17:33)

    Boah, das ist ja unmenschlich :( Kann mir kaum vorstellen, dass es noch solche Leute gibt, die sowas im Schilde führen. Ich hoffe, es geht deinem Hund gut!
    Pass auf auf dich und den süßen Hundi!
    LG
    Natalie