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Der Hund als Kinderersatz?

Ich bin mir ziemlich sicher, dass die meisten kinderlosen Hundehalter zwischen 25 und 35 schon einmal die Frage gehört haben, ob sie ihren Hund nur als Kinderersatz haben. Uns bzw. dem Frauchen ging es vor zwei Wochen mal wieder so. Ich weiß nicht warum, aber frisch gebackene Mütter neigen offensichtlich dazu (zumindest die in meinem Bekanntenkreis), plötzlich alle anderen mit der Frage zu nerven (Ja, es nervt!): "Und, wann ist es denn bei euch soweit?" Es ist meistens eh egal, was man antwortet. Hat man einen Hund, ist es klar. Man hat wegen ihm kein Kind...

Ich meine versteht mich nicht falsch, ich freue mich wirklich für alle, die sich Kinder wünschen und deren Wunsch sich eben auch erfüllt. Aber es soll auch Frauen geben, die - obwohl sie im "optimalen gebärfähigem Alter" sind - derzeit keinerlei Interesse an Kindern haben. Und das dies sehr wahrscheinlich nicht daran liegt, dass sie ihr Leben bereits mit einem (oder mehreren) Hunden teilen. Denn das eine schließt das andere ja nicht aus. Ich kenne durchaus einige Eltern die auch zeitgleich Hundehalter sind. Deren Hund schon vor dem Kind da war oder auch umgekehrt. Es soll tatsächlich auch noch andere Gründe geben, dass man im Moment keine Kinder möchte und das sollten - auch frisch gebackene Eltern - durchaus akzeptieren. 

 

Ja, ich bin 26 und ich und das Herrchen leben seit knapp 5 Jahren zusammen. Für viele also durchaus ein Grund, dass man dann doch bitte schleunigst mal mit der Kinderplanung anfängt. Ach halt, nein. Geht ja nicht. Wir haben ja Timmy. Und den ja ausschließlich als Ersatz für ein Kind. Oder? Im Umkehrschluss bedeutet dies ja, dass wir nun keine Kinder mehr bekommen können. Beides scheint ja nicht zu gehen. 

Das ist natürlich totaler Quatsch. 

 

Aber sehen wir Timmy tatsächlich als Kinderersatz? 

 

Timmy ist für uns ein vollwertiges Familienmitglied. Er gehört zu uns. Wir lieben Timmy und er ist ein wichtiger Teil in unserem Leben. Wir reden und spielen mit ihm. Wir machen uns Sorgen, wenn es ihm nicht gut geht. Wir achten auf eine gesunde Ernährung. Wir schauen, das er sich wohl fühlt. Wir fahren mit ihm zusammen in den Urlaub. Wir haben mit Timmys Anschaffung die volle Verantwortung für ein Lebewesen übernommen. Es ist unsere Aufgabe, dass wir uns um ihn kümmern und dafür sorgen, dass es ihm gut geht. Er ist von uns abhängig. Sehr wahrscheinlich ist es mit einem Kind auch so, ja. Auch hier übernimmt man eine große (bzw. eine noch viel größere) Verantwortung.

 

Aber Timmy ist und bleibt nun mal ein Hund. Das ist uns durchaus bewusst. Nur weil er mit bei uns auf der Couch liegt oder mit im Bett schläft, dann heißt das doch noch lange nicht, dass ich ihn als Ersatz sehe. Ich weiß nicht wie es ist, Kinder zu haben. Also weiß ich auch nicht, ob ein Hund dies überhaupt ersetzen könnte?! Timmy darf bei uns wann immer er will Hund sein. Das eine schließt das andere doch nicht aus.  Ok, es sei denn, er möchte Rehe jagen dann darf er kein Hund sein ;-) 

 

Nicole von Moe&Me hat letztens über ein ähnliches Thema berichtet: Wie viel Liebe braucht ein Hund? (Sehr lesenswert, klickt mal rein!).

Es gibt mit Sicherheit genügend Menschen auf dieser Welt, die ein falsches Verständnis von Liebe zu ihrem Tier haben. Und ja, es existieren durchaus Menschen, die ihren Hund als Partner- oder Kinderersatz sehen. Aber gerade ersteres ist eine deutlich härtere Nummer. Ich habe neulich einen Bericht dazu gelesen (leider finde ich ihn nicht mehr, sonst hätte ich ihn hier verlinkt), für welchen man sehr starke Nerven brauchte... Ein Mann, welcher mit seiner Hündin nach eigenen Angaben in einer festen Partnerschaft zusammenlebt. Mit allem, was dazu gehört... An dieser Stelle muss ich glaube nicht weiter reden. Das ist krankhafte, falsche Liebe und definitiv zu viel des Guten. Ich denke, die meisten von uns haben auch schon mal Berichte gesehen, in denen (meist) Frauen offen zugeben ihren Hund als Kind zu sehen. Frauen, die ihren Hunden Kleider anziehen, die Haare färben, sie im Kinderwagen umher fahren oder ihn wahlweise permanent durch die Gegend tragen. Auch das ist definitiv zu viel Liebe. Und ich bin mir sehr sicher: Ein Hund erwidert diese Art von Liebe nicht. 

 

Warum denken also andere, dass Timmy ein Ersatz für Kinder sein könnte? Geben wir ihm vielleicht auch zu viel Liebe? 

 

Ich denke nicht, nein. Aber ich gestehe durchaus, dass Timmy (unbewusst) manchmal vermenschlicht wird. Was aber dennoch nichts damit zu tun hat, dass wir ihn als Ersatz für ein Kind sehen. Ja, wenn er Geburtstag hat, dann bekommt er eine Kleinigkeit von uns geschenkt. Wenn wir ohne ihn weg fahren, dann bringen wir ihm auch mal etwas mit. Wohl aber immer in dem Bewusstsein, dass er das eh nicht versteht. Wir befriedigen damit doch letztlich nur unsere eigenen Bedürfnisse - denn eigentlich machen wir uns doch damit selbst eine Freude ;-) 

 

Für Außenstehende mag das allerdings tatsächlich so wirken. Timmy bekommt Geschenke, er trägt im Winter einen Mantel (warum, könnt ihr hier lesen) oder wir - wie auch Nicole bei Moe ;-) - zupfen ihm draußen die Kletten vom Bein oder wischen ihm den Schlaf aus dem Auge. Vielleicht stört andere auch die Tatsache, dass er mit im Bett schläft. Aber wir zwingen ihn nicht dazu. Die Tür im Schlafzimmer steht offen, er kann jederzeit den Schlafplatz wechseln. Er muss auch nicht mit auf der Couch liegen, er kann an jedem anderen Ort in der Wohnung liegen. Er wird nicht dazu gezwungen, mit dem Herrchen zu kuscheln. Timmy sucht von sich aus die Nähe. Wenn er keinen Bock auf uns hat und sich in seinen Korb zurück zieht, dann wird er auch dort in Ruhe gelassen. 

 

In vielen Köpfen ist vermutlich noch dieses typisch perfekte Familienbild verankert. Mann, Frau, Kind. So muss es sein. Oder? Nein, muss es eben nicht. Es gibt Paare, die wollen ganz bewusst kein Kind oder die können kein Kind bekommen. Deswegen können sie aber ganz ohne Hintergedanken einen oder auch fünf Hunde halten. Letztlich ist es ihre Entscheidung und genau das hat man zu akzeptieren. 

 

Hund ist Hund. Kind ist Kind. Beide sind aber vollwertige Familienmitglieder, die man liebt und um die man sich kümmern muss. Das eine ersetzt das andere nicht. Kann es vermutlich auch nicht ersetzen. Und das eine schließt auch das andere nicht aus. 

 

PS: Ich hab mir sagen lassen, dass es unter Muttis oft genauso zugeht wie unter Hundehaltern. "Mein Hund kann viel mehr als deiner, mein Hund trägt das teurere Geschirr, mein Hund hört viel besser und überhaupt hab ich eh viel mehr Ahnung von Hundehaltung als du..." ;-) 

Also ist der Hund doch ein Kind? ;-) 

Wie ist das bei euch? Wurde euch die Frage auch schon öfter gestellt? Warum Hund und noch kein Kind? Oder habt ihr Hund und Kind? Oder seht ihr euren Hund gar als Kinderersatz?

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Kommentare: 8
  • #1

    Heidi Schmitt (Dienstag, 30 August 2016 20:41)

    Vielleicht tröstet es Dich zu hören, dass es bei allein lebenden Frauen über 40 alles noch viel schlimmer ist. Dann wird man nämlich mehr oder weniger subtil und mitleidig darauf angesprochen, dass der Hund wohl Kindersatz, wenn nicht gar auch noch Partnerersatz sei. Es gibt wohl einige Menschen, die nicht verstehen, wie nah sich Mensch und Tier sein können, obwohl sie einer jeweils anderen Spezies angehören. Manchmal herrschen auch noch sehr rustikale Vorstellungen vor, die aus Zeiten stammen, als Hunde an Ketten und in Hütten gelebt haben, als man sie nicht operieren ließ und Welpen die Nasen in ihre Häufchen drückte, um sie zur Stubenreinheit zu erziehen. Das ist aber nicht mein Problem. Ich habe mich schon bei Nicoles Beitrag gewundert, dass man sich – wenn auch nicht rechtfertigt – so doch zumindest erklärt. Muss man das? Selbst wenn der Hund tatsächlich ein Kindersatz wäre (ich verstehe das Wort noch nicht mal), würde das niemanden etwas angehen, solange es Hund und Mensch gut geht. Jeder kann leben wie und mit wem er mag. Und er kann – das Wohl aller Beteiligten vorausgesetzt – lieben, wen er mag und wie doll er mag.

  • #2

    Claudi (Mittwoch, 31 August 2016 12:20)

    Ach ihr Lieben, uns geht es nicht anders. Aber auch sage, dass Jack definitiv kein Kinderersatz für mich/ mich und meinen Mann ist. Er ist und bleibt ein Hund. Auch Jack bekommt Geburtstags- und Weihnachtsgeschenke. Kleinigkeiten. Die ich ihm schenke, weil es mir Spaß macht. So wie ich meinen anderen Familienmitgliedern hin und wieder etwas schenke und es mich glücklich macht. Wir möchten keine Kinder, auch wenn wir durchaus schon in dieses "Familie gründen" Alter fallen. Deswegen ziehe ich meinem Hund aber keine Kleider an (außer einen Wintermantel, den ein Zwergpinscher mit sehr lichtem und kurzem Fell auch definitiv nötig hat!), trage ihn übernatürlich viel durch die Gegend oder haben einen Hunde-Buggy. Wenn ich ehrlich bin, lache ich Menschen im Stillen aus, die einem vorwerfen ein Hund sei ein Kinderersatz. Ein Hund ist wesentlich pflegeleichter. ;) Trotzdem ist es eine Verantwortung, die man ernst nehmen sollte. ;)

  • #3

    Sandra & Shiva (Mittwoch, 31 August 2016 16:33)

    Oh ja... Single, auf die 40 zugehend und ein Hund. Klar, ist mein Hund der Partnerersatz, "weil ich keinen abgekriegt hab". Pfff... den letzten Kerl hab ich rausgeschmissen, bisher kein Bedarf an einer Neuauflage. Aber nicht wegen dem Hund! Nö! Keinen Bock auf den ganzen Mist. Kinder gleich zweimal nicht. Versteht mich nicht falsch. Ich mag Kinder (wenn sie nicht nerven) und liebe meine Nicht und meinen Neffen über alles. Aber ich selber möchte keine Kinder. Wollte ich nie. Kein Interesse. Nada. Shiva ist weder Kindersatz noch Partnerersatz. Sie ist mein Kumpel, mit dem ich um die Häuser zieh. Wir haben Spaß zusammen, wir blödeln rum, wir kuscheln, wir raufen, wir sind Freunde. Ich liebe Shiva sehr und ich hoffe doch, dass sie mich genau so liebt. Aber sie ist mein Hund und nicht mein Kind. Ich finde es schon immer befremdlich, wenn manche Hundehalter von "Mama" und Papa" von sich reden.

  • #4

    Viktoria und Holly (Samstag, 17 September 2016 10:15)

    Wahre Worte.. Vor über einem Jahr habe ich einen ganz ähnlichen Blogpost veröffentlicht.
    https://die-wilde-hilde.com/2015/07/25/der-hund-als-kinderersatz-2/

    Mittlerweile bin ich 27 und die "doofen" Kommentare kommen immer noch. Wird sich wahrscheinlich nie ändern :D

    Liebe Grüße von Holly und Viktoria

  • #5

    Christine & die Füchse (Montag, 19 September 2016 12:41)

    Sehr treffend geschrieben. Ich sehe das ganz genau so! Und ja, auch ich (31) musste mir schon des öfteren anhören, dass meine Hunde Kindersatz sind.
    Nein, denn ich habe mich bewusst gegen Kinder entschieden. Meine Hunde sind Hunde....zugegeben, ein klein bisschen verwöhnte Hunde, aber sie dürfen ein - wie ich doch hoffe - tolles Hundeleben verbringen mit allem Drum und Dran, inkl. in Schafköttel wälzen ;)
    Sie sind vollwertige Familienmitglieder.

    Liebe Grüße

  • #6

    Tamila (Montag, 26 September 2016 21:46)

    Tja, da muss man sich so einiges anhören... Ich bin jetzt 45 Jahre alt, habe meinen Mann ziemlich spät kennengelernt. Wir haben jetzt beschlossen keine Kinder mehr in die Welt zu setzen, da wir ja schon älter sind. Nun kommt wohl eher die Phase, in der man das Leben genießen sollte. Aber das muss sowieso jeder selber wissen. Jetzt wünsche ich mir einen kleinen Hund und freue mich sehr. Es soll aber auch kein Kinderersatz sein. Der Wunsch kam, weil die Voraussetzungen für einen Hund nun da sind. Haus, Garten, Zeit. Aber sofort kam von einer "Freundin" der Spruch: "Das ist aber kein Ersatz für ein Kind!". Seit dem kann ich sie nicht mehr besonders leiden. So ein selten dämlicher Spruch. Hätte ich noch ein Kind bekommen, hätte ich mir den Hund auch irgendwann angeschafft. Außerdem macht es doch Spaß, wenn man schon kein Kind hat, einen Hund zu betuddeln. Macht doch jeder, auch die, die Kinder haben. Gott sei dank war mein Kinderwunsch eh nie sonderlich groß.
    Liebe Grüße

  • #7

    Sandra (Mittwoch, 28 September 2016 10:19)

    Hallo Vicky,
    dieser Spruch hängt mir auch zum Hals raus. "Ihr behandelt den ja wie ein Kind" müssen wir uns so oft anhören. Klar haben wir bei Auswärtsbesuchen häufig was zu essen, eine Decke und einen Wassernapf für den Hund mit - aber da die meisten unsere Freunde keine eigenen Hunde haben, gibt es sowas eh nicht vor Ort...
    Unser Blue ist _wie_ ein Kind, teilweise unselbstständig, darf nicht zu lange alleine sein und möchte viel Kuscheln, aber dennoch ist und bleibt er ein Hund. Manchmal sage ich "Hundekind" zu ihm, weil er aber einfach klein ist und oft noch für einen Welpen gehalten wird (5 Jahre alt, ha ha...). Ein Kindersatz war er aber nie, weil wir immer wussten, irgendwann kommen die Kinder. Und der Hund ist dann der tierische Begleiter.

    Übrigens... ich bin derzeit schwanger und bereits jetzt ändern sich die Kommentare in "da wird der Hund aber eifersüchtig sein" -.- weil das ja niiiiiie bei Hunden und Kindern klappt und Hunde _immer_ ausgeschlossen werden wenn ein Kind da ist... *seufz*

    Viele Grüße,
    Sandra & Blue

  • #8

    Tamila (Mittwoch, 28 September 2016 14:58)

    Übrigens hat meine Freundin zwei Töchter und sagt zu ihrem Hund auch schon mal: "... hat die Mutti dir mitgebracht :))) o.ä. Dumme Sprüche kommen ja meist nur aus Neid und den muss man sich ja bekanntlich erarbeiten :) Wäre ein Hund ein Kindersatz dürften die, die Kinder haben ja keinen Hund haben. :)