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Die nicht zu unterschätzende Verantwortung

von Vicky

 

Vor kurzem bin ich durch Paula und Lotta vom Blog Queen Lotta auf einen doch recht merkwürdigen Trend aufmerksam geworden. Die beiden berichteten darüber, dass vor allem auf Instagram vermehrt Accounts auftauchen mit Namen wie "wunsch vom hund", "mein traumhund 2016", "mein hundetraum" etc. pp. (Bitte nicht verwechseln mit der wirklich tollen Seite von Sheltie Bailey "traum_vom_eigenen_Hund").

Auf diesen Accounts werden Bilder von Hunden gepostet, mit der Bitte um Tipps wie man seine Eltern überreden kann, einen Hund zu kaufen. In der Regel besteht bereits der Wunsch nach einer bestimmten Rasse (ganz vorne mit dabei der Australien Shepherd). Die Accounts stammen meist von recht jungen Mädels um die 12 Jahre. Die Mädels stellen sich vor ("ich bin xxx und ich liebe Hunde"), erzählen zu wie viel Prozent sie ihre Eltern bereits überzeugt haben ("Eltern zu 10% schon überzeugt"), erklären warum sie einen Hund wollen ("weil die so niedlich sind", "weil ich schon immer einen Hund wollte").

Während ich also letztens beim Arzt wartete, blätterte ich mich durch die Accounts und war echt erschrocken. Nicht nur über die Seiten selbst, sondern auch über die Kommentare und die Tipps, die dort gegeben werden... "Ach, deine Eltern übertreiben. Ein Hund macht nicht so viel Arbeit." "Mehr als 400€ kostet der beim Züchter nicht. Schau doch mal bei Ebay die Preise an." "Schlage deinen Eltern vor einmal die Woche die Fenster zu putzen und dafür bekommst du einen Hund." "Sag, du guckst immer viele Erziehungsvideos bei Youtube und dann kaufen sie dir einen." 

 

Aha. So einfach ist das also. 

 

Anmerkung: Die kommenden Zeilen werden wohl äußerst negativ sein und euch (die den Wunsch eines Hundes hegen) möglicherweise nicht gefallen. Aber wie immer gilt: Es ist meine Sicht der Dinge und es gibt wie immer Ausnahmen, die die Regel bestätigen. 

 

Ja, auch ich war mal jung (Was nicht heißt, dass ich jetzt alt bin :-P ). Und ja, auch ich habe damals meine Mutter jahrelang bequatscht einen Hund zu bekommen. Nur war das Internet damals tatsächlich noch nicht so verbreitet und Social Media ein unbekannter Begriff. Ich habe noch ganz altmodisch vom Taschengeld Bücher und Zeitschriften gekauft und mich in diesen über verschiedene Rassen belesen. Danach wollte ich eine deutsche Dogge. Das konnte ich vergessen also sollte es ein Cavalier King Charles Spaniel werden. Ich bastelte Hefte, klebte Fotos aus den Zeitschriften rein, malte Bilder und Tabellen mit Vorteilen eines Hundes, erklärte das ich mich um alles kümmere... (Ich hab mir da echt viel Mühe gegeben, Mama!). Ich dachte damals, dass ich voll den Durchblick hatte. Schließlich war ich ab und an mit Hunden aus dem Dorf Gassi. Aber wehe, es hat geregnet! Da konnte ich natürlich nicht...

Genützt hat alles nichts, einen Hund habe ich nie bekommen. Heute verstehe ich meine Mutter und bin ihr sogar dankbar dafür! So gern ich auch mit eigenem Hund aufgewachsen wäre, es hätte mich überfordert. Ich wäre definitiv auf ihre Hilfe angewiesen gewesen, auch wenn ich immer geschworen habe alles alleine zu machen. 

 

Ich dachte früher immer, der Hund zieht ein, man geht ein bisschen Gassi, spielt mit dem Hund, kuschelt mit ihn, füttert ihn und hat einen treuen Begleiter an seiner Seite. Den Gedanke, dass man sich mit einem Hund aber auch möglicherweise richtig viel Arbeit ins Haus holt, hatte ich nie. Auch das ich eventuell einen kranken, ängstlichen oder unverträglichen Hund bekomme. Daran hab ich in keiner Sekunde gedacht. Klar, hab ich Mutti versprochen bei Wind und Wetter raus zu gehen. Ob ich es gemacht hätte? Wag ich heute zu bezweifeln. 100 % sagen kann ich das natürlich nicht. Vielleicht hätte mich ein Hund damals schon verändert. Wer weiß das schon. Aber sicher weiß ich: Die Verantwortung hätte ich im Leben nicht tragen können. Auch wenn ich das 1000 Mal versprochen habe. 

 

Kurze Anmerkung: Es ist natürlich etwas anderes, wenn die Eltern selbst den Wunsch nach einem Hund haben und euch auch wirklich unterstützen wollen!

 

Das erste Problem stellt ja bereits die Anschaffung des Hundes dar. Könnt ihr alleine den Kaufpreis zahlen? Ein Hund vom (seriösen!) Züchter kostet gut und gerne um die 1000 €. Auch ein Hund aus dem Tierheim oder dem Tierschutz kostet Geld. Da müsst ihr auch mit um die 300 € rechnen. Damit ist es ja aber nicht getan. Der Hund braucht beim Einzug nicht nur einen Napf und eine Leine. Auf einem der Accounts habe ich nämlich gesehen, dass für den Einzug nur ein Napf, Leine, Halsband und ein Ball besorgt werden sollten. Das ganze sei ja gar nicht so teuer. Was ist mit Körbchen? Oder einer Decke? Kottüten? Futter? was zum kauen? Bürste? Zeckenzange? Transportbox? Der Hund wächst recht schnell. Mit einem Halsband / Geschirr ist es da am Anfang nicht getan. Was ist, wenn am Anfang was kaputt geht? Ein Welpe kaut gerne mal auf diversen Sachen drauf rum. Deshalb wäre eine Versicherung praktisch. Ach und die Steuern erst. Die müssen ja auch gezahlt werden. 

Habt ihr das Geld dafür? Ich hätte es nicht gehabt. Denkt dran, IHR wollt den Hund. Nicht eure Eltern. IHR wollt Verantwortung übernehmen und dazu gehört eigentlich auch die Kostenübernahme.

Nun habe ich gelesen, dass viele sparen für ihren Traum vom Hund. "Schon 75 € von 400 € gespart. Mein Traum ist nicht mehr weit." Das ist wirklich löblich, dass ihr spart. Aber mittlerweile kann ich sagen, so ein Hund kann ganz spontan mal richtig viel Geld kosten. So haben wir im November auf einmal über 600 € für Tierarzt, Physio und Medikamente zahlen müssen. Das muss natürlich nicht passieren, aber es kann passieren. Und da braucht ihr jemanden, der euch hilft und euch unterstützt. Oder wollt ihr euren kranken Hund leiden lassen? 

 

Ein Welpe muss Anfangs relativ oft raus. Nach dem Fressen, nach dem Schlafen, nach dem Spielen... Auch nachts. Schafft ihr es Nachts aufzustehen, im dunkeln raus zu gehen und im Schlafanzug bei Regen zu warten, bis der Hund sein Geschäft erledigt hat? Testet es einfach mal. Stellt euch den Wecker nachts und geht raus. Ich hätte das mit 12 vermutlich einmal gemacht. Und nicht wieder. An wen bleibt die Arbeit dann hängen? Richtig. An euren Eltern, die den Hund nicht wollten. Und tagsüber? Da seid ihr in der Schule. Wer geht dann mit dem Hund raus? Der Hund (egal ob Welpe oder nicht) kann nicht von jetzt auf gleich 8 Stunden alleine bleiben. Bedenkt das und plant wenn überhaupt eine Anschaffung in den Sommerferien. 

 

Viele schrieben, dass ihre Eltern damit argumentieren ein Hund würde Dreck machen. Ein Tipp auf dieses Argument bei Instagram lautete: "Ach, dass stimmt doch gar nicht. Man kann ihn ja waschen und kurzhaarige Hunde machen keinen Dreck." Ich lade euch gern einmal zu uns ein, während Timmy im Fellwechsel steckt. Und ich nicht zum zweiten Mal an diesem Tag gesaugt habe... Kein Dreck sieht anders aus. Im Winter (oder auch jetzt bei häufigem Regen) wische / sauge ich fast täglich die Wohnung. Im Sommer natürlich nicht so oft. Aber damit ist es nicht getan. Wollt ihr in Zukunft täglich den Napf säubern? Das Körbchen ausschütteln und regelmäßig waschen? Fenster putzen, weil der Hund mal wieder seine Nase dran gedrückt hat? Ja, auch das gehört zur Hundehaltung dazu und sollte in Zukunft natürlich von euch übernommen werden. Denn IHR wollt ja die Verantwortung übernehmen. 

Übrigens: Schon mal Durchfall aus dem Teppich entfernt? Ist genauso spaßig, wie es klingt. 

 

"War letztens im Tierheim zum Probe Gassi gehen. Aber der Hund hat an der Leine gezogen und manche Leute angesprungen. Das passt leider nicht so." Ähm... Was soll ich sagen. Das sind in der Tat noch relativ harmlose Probleme und wenn euch das schon zu viel ist... 

Ein Welpe (und auch ein älterer Hund) MUSS erzogen werden. Je nach Charakter der Rasse kann das leichter oder schwieriger werden. Leinenführigkeit, Grundgehorsam, Umgang mit Artgenossen, Alleine bleiben... Mitunter muss der Besuch in einer Hundeschule erfolgen. Das kostet nicht nur Geld, sondern auch Zeit. Was ist, wenn euer Hund ein Problem mit Artgenossen hat? Nicht immer bekommt man das in den Griff. Könnt ihr damit leben, dass euer Hund Ängste hat oder Artgenossen doof findet? Ach und nicht nur ihr, auch euer Hund kommt in die Pubertät. Der Hund vergisst (meistens) alles, was er bis dato gelernt hatte und die Erziehungsarbeit beginnt nochmal von vorne. Timmy hat in der Pubertät die Leidenschaft zum jagen entdeckt und seit dem arbeiten wir daran. Ich habe mit 14 meine Leidenschaft für Konzerte entdeckt. Nicht selten war ich den ganzen Tag / Nacht unterwegs. Der Hund? Mhmmm... Mutti hat bestimmt Zeit... 

 

Ihr geht in die Schule, eure Eltern gehen arbeiten. Ihr habt noch ein Hobby und geht nach der Schule zwei Mal die Woche zum Sport o.ä.? Wer geht dann mit dem Hund raus? Seid ihr notfalls bereit euer Hobby einzuschränken? Oder gehen dann eure Eltern mit ihm raus, obwohl IHR den Hund wolltet? Einmal im Jahr steht eine Klassenfahrt auf dem Programm. Da wollt ihr bestimmt mit. Wer kümmert sich in der Zeit um den Hund? Oder bleibt ihr lieber zu Hause und lasst die Klasse ohne euch fahren? Der Hund könnte ja in eine Pension, stimmts? Und wer zahlt die? 

Ich hätte definitiv nicht auf meine Fahrten verzichten wollen. Der Hund wäre dann aber von 7-19 Uhr alleine gewesen, weil meine Mutter damals 4 Tage die Woche 12 Stunden gearbeitet hat. Unzumutbar für einen Hund. Nicht zu vergessen der jährliche Sommerurlaub... Kann Hund mit? Oder bleibt ihr zu Hause? 

 

Shoppen mit den Freundinnen nach der Schule, Kino mit den Kumpels, die ersten Partys, übernachten bei Freunden... Ein Treffen mit der Clique verpassen und statt dessen mit den Hund 2 Stunden im Regen durch den Wald stapfen? Oder auf dem Hundeplatz stehen und dem Hund beibringen, wie er über Hürden hüpft? Klingt nicht so verlockend? Oder könntet ihr euch an den Gedanken gewöhnen? Mit Gassi allein ist es nicht getan. Ein Hund will auch mit dem Kopf arbeiten, mal spielen und mit Artgenossen toben...

Auch wenn ich damals immer was anderes behauptet habe, heute weiß ich das ein Hund damals zu kurz gekommen wäre. Und ich wäre auf die Unterstützung meiner Mutter angewiesen gewesen. Oder der Hund wäre im Tierheim gelandet... Klingt hart, ist aber so. 

 

Was ist, wenn ihr wie Paula von Queen Lotta ein Auslandsjahr machen wollt? Eine Ausbildung anfangen wollt oder dann studieren wollt? Womöglich in einer anderen Stadt... Natürlich könnt ihr euch nicht auf jede Situation vorbereiten, können wir auch nicht. Aber wir haben die Unterstützung von Familie und Freunden und ohne die wäre es manchmal sehr schwer. Vor allem, wenn man einen Hund mit ein paar Baustellen hat. 

 

Ich will euch den Traum vom Hund nicht ausreden und ich bin auch der Meinung, dass es für Kinder toll ist, wenn sie mit einem Hund aufwachsen dürfen. Ich glaube euch auch, dass ihr die Verantwortung übernehmen wollt aber ohne eure Eltern schafft ihr das nicht. Egal wie viel ihr lest, schaut oder Gassi mit den Nachbarshunden geht. Ich seid auf die Unterstützung eurer Eltern angewiesen. Es ist mit 12, 13 oder auch mit 14, 15 nicht alleine zu schaffen. Ich war damals genauso wie ihr und hätte alles für einen Hund getan und doch bin ich mehr als froh, keinen gehabt zu haben. Denn er wäre zu kurz gekommen und meine Mutter hätte sich letztlich um ihn gekümmert. 

 

Es gibt so viele Möglichkeiten sich dennoch mit Hunden zu beschäftigen. Fragt, ob ihr ab und an im Tierheim helfen könnt und dort mit den Hunden raus könnt. Oder mit dem Hund der Nachbarin. Vielleicht könnt ihr auch für ein paar Tage den Hund von Bekannten betreuen und vielleicht merkt ihr auch da bereits, wie anstrengend es sein kann. 

 

 

 Wie seht ihr das? Wie war das damals bei euch? Hattet ihr als Kinder Hunde und wer hat sich gekümmert? Erzählt doch mal...

 

 

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Kommentare: 1
  • #1

    Socke-nHalterin (Montag, 18 April 2016 18:21)

    Ich stimme Dir voll und ganz zu. Ich finde es toll, wenn Kinder mit Hunden groß werden, aber die Anschaffung der Hunde muss von der ganzen Familie gewünscht werden. Ich finde es zwar schön, wenn Kinder den Wunsch äußern und ihre Eltern daraufhin ansprechen, aber niemals dürfen Eltern überredet werden.
    Denn Hunde sind nicht immer so, wie man sie sie wünscht. Socke wurde, bevor sie zu uns kam, auch in eine Familie vermittelt. Die Kinder fanden Socke doof und so wurde sie umgehend zurückgebracht.
    Und Sockes Erkrankung kostet nicht nur Geld und Zeit, sondern erfordert auch Entscheidungen, die ein Kind und auch ein Teenager nicht treffen sollte.

    Ich hoffe für die Hunde von Herzen, dass sich sich die Eltern nicht überreden lassen.

    Im Übrigen fand ich die Serie auf dem Blog auch sehr gewöhnungsbedürftig. Sätze wie ich wünschte mir schon 16 Jahre lang einen Hund und ich bin 16 Jahre alt zeugen, dass hier absolut die Reife fehlt.

    Viele liebe Grüße
    Sabine mit Socke