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Fotografie | Warum im RAW-Format fotografieren? 

von Vicky 

 

Es ist Dienstag und das heißt: Zeit für die wöchentliche Lektüre zum Thema Fotografie. Heute gibt es einen kurzen Beitrag zum Thema Fotografieren im RAW-Format. Wer sich bereits näher mit der Fotografie befasst hat, wird sicher schon auf den Begriff gestoßen sein. Viele Kameras (auch einige System,- Bridge- und Kompaktkameras) können ihre Bilder sowohl im RAW-Format als auch im JPEG-Format aufnehmen. Schaut einfach mal in den Einstellungen eurer Kamera nach. 

 

RAW bedeutet nichts anderes als "roh", "nicht bearbeitet". Es bezeichnet also ein Rohdatenformat. Das heißt, die Bilder kommen quasi so aus der Kamera wie der Bildsensor sie aufgenommen hat. Das bedeutet auch, sämtliche Helligkeitsinformationen bleiben erhalten. Beim Fotografieren im JPEG-Format werden die Fotos hingegen bereits in der Kamera komprimiert und bearbeitet, wodurch natürlich Bildinformationen verloren gehen. Vereinfacht gesagt: JPEG verkleinert die Bilder, reduziert den Farbumfang und passt zum Beispiel den Weißabgleich automatisch an. 

 

Die folgenden drei Bilder sollen den Unterschied zeigen. Zugegeben: Auf den ersten Blick ist der Unterschied zwischen JPEG und RAW so gut wie nicht zu erkennen. Das JPEG ist minimal heller und etwas wärmer. 

JPEG

RAW (nur konvertiert)

Fertig entwickelt


Warum also RAW wählen, wenn der Unterschied eh nur minimal ist?

 

Der große Vorteile, der durch die vielen erhaltenen Informationen eines RAW-Bildes entsteht, ist die Erhöhung des Spielraums für die Nachbearbeitung. Das heißt, man kann im Nachhinein die Temperatur, den Kontrast, die Helligkeit oder auch die Schärfe anpassen. Man kann letztlich einen ganz eigenen Stil erzeugen. Außerdem lassen sich natürlich auch Fehler in der Belichtung oder im Weißabgleich besser korrigieren. Jetzt denken sich vielleicht einige von euch: Aber ich kann doch auch meine Handyfotos mit einer App bearbeiten. Und auch da kann ich Helligkeit, Kontrast etc. ändern? Richtig. Natürlich können auch JPEG-Fotos bearbeitet werden. Aber durch die verlustbehaftete Komprimierung eben nicht in dem selben Umfang wie ein RAW-Bild. 

 

Hier habe ich versucht beide Bilder mit den selben Einstellungen zu entwickeln bzw. zu bearbeiten. Ganz genau gleich geht natürlich nicht, da bei dem JPEG-Bild die Möglichkeiten einfach geringer sind. Aber ihr erkennt hier schon deutlich die Unterschiede in den Farben.

 

Hier habe ich auf die Schnelle die Helligkeit, die Temperatur, den Kontrast und die Lichter angepasst. 

 

Links JPEG und Rechts RAW. 

Übrigens:  Das RAW-Format muss immer nachbearbeitet (entwickelt) bzw. konvertiert (in ein anderes, gewünschtes Format umgewandelt) werden. Man kann nicht einfach so sein RAW-Bild bei Facebook und Co. teilen oder fix mal ausdrucken. Die Software zur Nachbearbeitung der RAW-Dateien liegt in der Regel der Kamera bei. Das sicher am meisten genutzte Programm ist Adobe Lightroom, welches ich übrigens nicht mehr missen möchte.

Ihr könnt das RAW-Format übrigens mit den früheren Negativen vergleichen. Diese mussten auch erst entwickelt werden, eh man sie sich angucken konnte :-) 

 

Der einzige Nachteil liegt meiner Meinung nach in der Größe der Dateien. Durch die vielen enthaltenen Informationen sind RAW-Bilder deutlich größer (was sich vor allem auf die Serienbildfunktion der Kamera und natürlich auf den Speicher auswirkt). Aber da auch große Speicherkarten mittlerweile relativ günstig sind, ist das auch vertretbar. 

 

 

Warum dann überhaupt noch im JPEG-Format fotografieren?

 

Für Schnappschüsse im Urlaub nutze auch ich in der Regel dieses Format. Denn die Bilder arbeite ich selten nach und diese möchte ich nach dem Urlaub auch schnell mal der Familie zeigen, ohne groß daran rumzuwerkeln. Wenn ich doch mal mehr rausholen will, dann fotografiere ich einfach in beiden Formaten. Meine Kamera hat die Einstellung, dass die Bilder sowohl in RAW als auch in JPEG gespeichert werden. Auch Sportfotografen nutzen dies häufig, um bspw. die Bilder eines Fussballspiels schnell an ihre Agenturen / Presse weiter zu geben. 

Ich persönlich möchte nicht mehr auf die Möglichkeiten verzichten, welche mir Bilder im RAW-Format bieten. Ich weiß, dass es viele gibt die sagen "Bilder sollten Out of Cam (unbearbeitet) sein" aber ich sage mir: Wieso sollte ich auf diese wunderbaren Möglichkeiten, die mir Lightroom und auch Photoshop bieten, verzichten? Ich kann dabei meinen eigenen Stil entwickeln und meinen Bildern mit diesem eine persönliche Note geben. Ob die Bilder gefallen, ist letztlich eh Geschmackssache. Der eine mag es so, der andere mag es so. Natürlich sollte das Bild an sich schon gut sein. Denn die Entwicklung und Bearbeitung gerät natürlich irgendwann an ihre Grenzen. 

Hier seht ihr mal ein Vorher-Nachher Bild. Links wie es aus der Kamera kam und rechts, wie es von mir entwickelt wurde. Das Bild ist letztes Jahr im März entstanden. Die Woche wollte ich nochmal dorthin gehen und Bilder an der Stelle machen. Anhand von diesen zeige ich euch dann, wie ich bei der Bearbeitung vorgehe. Darum dreht es sich nämlich im nächsten Beitrag. Die Entwicklung der Bilder in Lightroom. 

Und hier das fertige Bild. Ich habe dem Bild in Photoshop noch den letzten Feinschliff verliehen, in dem ich noch das Halsband retuschiert habe.
Und hier das fertige Bild. Ich habe dem Bild in Photoshop noch den letzten Feinschliff verliehen, in dem ich noch das Halsband retuschiert habe.

 

Fotografiert ihr ebenfalls im RAW-Format oder bevorzugt ihr lieber JPEG? Warum habt ihr euch für das jeweilige Format entschieden? 

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Kommentare: 1
  • #1

    Carolin (Mittwoch, 30 März 2016 16:49)

    Du hast mich mit dem Artikel noch mal daran erinnert, endlich mal die Raw-Funktion zu nutzen. Ich habe jahrelang nur in JPEG fotografiert,weil ich eh Fotos nie bearbeitet habe. Werde das auf jeden Fall mal ausprobieren, da ich oft mit der Farbabbildung meiner Kamera unzufrieden bin!
    Viele Grüße
    Carolin