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Fotografie | Iso, Belichtungszeit und Blende Wie fotografiere ich manuell?

(c) tierfotografie-vk
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von Vicky

 

Auf dem Bild oben zu sehen:

 

Amea. Tschechoslowakischer Wolfshund. Aufgenommen in der Erfurter Innenstadt mit der Nikon D7100 und dem 50mm 1.8 von Nikon. Daten: 1/250, f/1.8, ISO 280 

 

Im heutigen Beitrag dreht sich alles rund um Belichtungszeit, Blende und ISO. Wenn ihr wie ich manuell fotografieren wollt oder die Halbautomatiken nutzen wollt, solltet ihr wissen, was die Zahlen bedeuten, warum diese wichtig sind und wie sie zusammenhängen. Ich gebe mir Mühe, alles möglichst einfach und mit vielen Beispielen zu erklären.

 

Die Beispielbilder sind heute übrigens nicht sehr professionell :-D Aber die letzten Wochen war bei uns so ein wechselndes Wetter, dass ich es einfach nie geschafft habe, draußen in den verschiedensten Einstellungen Timmy zu fotografieren. Deshalb mussten die Blümchen herhalten. Aber ich denke, zum verdeutlichen reicht es. 

 

 

 

 

 

 

 

 

Hier seht ihr die so genannten Exif Daten des obigen Bildes, also die Daten die ich ab und an unter meine Bilder schreibe. Die Exif Daten sind letztlich nichts anderes als die Bilddaten. Ihr könnt diese ganz einfach mit einem Rechtsklick auf euer Bild unter Eigenschaften aufrufen. Jedes Bild  (auch mit dem Smartphone aufgenommen) enthält diese Bilddaten. In diesem Fall hatte ich übrigens die ISO-Automatik eingeschalten, deshalb der krumme Wert. Das ist für uns hier jetzt aber völlig irrelevant erstmal. 

Um diese Daten selbst einstellen und verändern zu können, solltet ihr das Rädchen an eurer Kamera zunächst einmal auf Manuell stellen (Modus M). Am besten ihr probiert direkt beim lesen ein wenig aus. 

 

Der ISO-Wert 

 

Je höher der ISO-Wert ist, desto heller wird euer Bild. Ein hoher ISO-Wert ist also vor allem dann erforderlich, wenn ihr bei schlechter Beleuchtung oder in der Dämmerung fotografiert. Das Problem am ISO-Wert ist jedoch: Je höher der Wert gestellt wird, umso mehr rauscht euer Bild. Es wird körnig, krisselig. Die Qualität leidet. Je nach Kamera rauscht euer Bild eher oder später. Nur weil eure Kamera den ISO-Wert bis auf 12.800 hochstellen kann, heißt das noch nicht, dass die Bilder bei diesem Wert noch super sind. Lest euch hierfür am besten Erfahrungsberichte zu euer Kamera im Internet durch. Denn pauschal kann man dies nicht für alle Kameras beantworten. Besonders sichtbar wird dieses rauschen, wenn ihr eure Bilder großformatig ausdruckt.  

 

 

Hier sieht man das so genannte Rauschen ganz gut. Bei dem Bild hab ich den ISO-Wert auf 6400 hochgeschraubt und bei sehr schlechten Lichtverhältnissen fotografiert. Wenn ihr das Bild vergrößert erkennt man das krisselige, körnige noch etwas besser. 

Als Faustregel könnt ihr euch also merken: 

 

So niedrig wie möglich, so hoch wie nötig. 

 

 

Anbei ein paar Beispielbilder mit den gleichen Einstellungen aber unterschiedlichen ISO-Werten, um euch das ganze zu verdeutlichen.

ISO 100

1/50, f/1.8

ISO 400

1/50, f/1.8

ISO 800

1/50, f/1.8

ISO 3200

1/50, f/1.8



Die Belichtungszeit (oder auch Verschlusszeit) 

 

Die Belichtungszeit wird in Sekunden angegeben. Sie bestimmt, wie lange Licht auf den Sensor der Kamera fällt. Also wie lange der "Verschluss" geöffnet ist. Die Belichtungszeit lässt sich in der Regel zwischen 30 Sekunden und 1/8000 Sekunden einstellen. Bei 30 Sekunden wird das Bild also auch tatsächlich 30 Sekunden lang belichtet, bei 1/8000 eben nur 0,000125 Sekunden. 

 

 

Wenn ein Bild jetzt also 30 Sekunden lang belichtet wird, ist die Wahrscheinlichkeit sehr groß, dass euer Objekt (in unseren Beispiel ein Hund) sich längst weiter bewegt hat. In Folge dessen verschwimmt euer Bild. Für sich bewegende Objekte, muss man also eine sehr kurze Verschlusszeit wählen. Gerade wenn man rennende Hunde fotografieren möchte. Hier wähle ich immer mindestens eine Verschlusszeit von 1/800, besser noch 1/1000. Mit solch kurzen Belichtungszeiten könnt ihr Bewegungen "einfrieren". Für Portraits kann man aber durchaus länger belichten. 

 

 

1/250 

f/2, ISO 320

Längere Belichtungszeiten für ruhigere Objekte.

1/8000

f/2.8, ISO 400

Kürzere Belichtungszeiten für schnelle Objekte.


Merke:

 

Je länger belichtet wird (1/100, 1/250 oder 1/500) desto heller wird euer Bild, da länger Licht auf den Sensor fällt. 

 

Je kürzer belichtet wird (1/1000 oder 1/2000) desto dunkler wird euer Bild. 

 

Hier ein Beispiel mit genau den gleichen Einstellungen aber unterschiedlicher Belichtungszeit, um das ganz nochmal zu verdeutlichen.  

1/250 

f/1.8, ISO 200

Es wird länger belichtet, das Bild ist heller.

1/1000 

f/1.8, ISO 200

Wird kürzer belichtet, ist das Bild dunkler.


 

Hier könnt ihr den ersten Zusammenhang der Werte erkennen: Will ich bspw. einen rennenden Hund in der Dämmerung fotografieren, funktioniert das in der Regel mit der Einstellung 1/1000 nicht mehr. Es ist einfach schon zu dunkel. Also schraube ich hier den ISO-Wert hoch, um das Bild aufzuhellen und dennoch mit einer kurzen Belichtungszeit fotografieren zu können. Oder aber, ich öffne die Blende. 


Die Blende 

 

Die Blende haben wir in diesem Beitrag bereits angesprochen. Wir wissen deshalb schon: 

 

Je kleiner die Blendenzahl, desto offener die Blende und mehr Licht fällt auf die Linse.  

Je größer die Blendenzahl, desto geschlossener die Blende und weniger Licht fällt auf die Linse. 

 

Folgende Grafik zeigt 5 verschiedenen Blendenöffnungen: 

 

(c) www.Foto-Kurs.com
(c) www.Foto-Kurs.com

Wir verdeutlichen das nochmal an einigen Bildern. Die Blende habe ich bei jedem Bild ein Stück weiter geschlossen. Die restlichen Einstellungen blieben gleich. Wir sehen also: Je geschlossener die Blende, desto dunkler wird das Bild. 

f/1.8 

1/160, ISO 400

f/3.2

1/160, ISO 400

f/5.6

1/160, ISO 400

f/8

1/160, ISO 400

f/16

1/160,  ISO 400


Vielleicht habt ihr es eben schon erkannt, denn die Blende kann noch viel mehr. Euch ist sicher schon mal aufgefallen, dass bei vielen meiner Bilder der Hintergrund unscharf ist, oder? Das ist nicht Photoshop oder so, sondern die Blende. Eine offene Blende (f/1.4, f/1.8 oder f/2.8) sorgt für eine geringe Tiefenschärfe. Das bedeutet, dass nur ein schmaler Bereich in eurem Bild scharf ist. Stellt euch diesen Bereich als waagerechten Strich vor. Je kleiner die Blende, desto schmaler wird dieser Strich. Alles was vor oder hinter diesem Strich liegt, verschwimmt. 

Ein Beispiel:

f/1.8

1/400, ISO 360 

 

Ich habe auf das rechte Auge von Timmy fokussiert. Die Augen liegen beide auf dem "waagerechten Strich", dieser Bereich ist knackscharf. Seine Nase, welche vor diesem "Strich" liegt, ist bereits unscharf.  Seine Beine, der Boden, die Blütenblätter etc. ebenfalls. Solche "von oben" Bilder nehme ich immer mit möglichst offener Blende (also kleiner Zahl) auf, da ich diesen Effekt liebe. 

Problem: 

 

Bei dieser geringer Tiefenschärfe, also bei einer kleinen Blende, verfehlt man schnell sein Objekt. Anstatt seine Augen zu treffen, hab ich das Pfötchen erwischt. So kann es schnell passieren, dass - wie im Beispiel rechts - der Boden scharf wird und Timmys Gesicht unscharf.  

 

1/640, f/1.8, ISO 100 -->

 

 

Je mehr ihr auf dem Bild also scharf bekommen wollt - also bspw. den Hund und den Hintergrund - desto größer muss eure Blendenzahl sein. Wollt ihr mehrere Hunde beispielsweise scharf bekommen, müssen diese entweder in einer "Linie" sitzen oder ihr schließt (also größere Zahl) die Blende. Anbei wieder Beispielbilder mit unterschiedlicher Blende, um die Tiefenschärfe zu verdeutlichen. 

Der Fokus liegt bei allen Bildern auf der untersten gelben Blume. Wir sehen: Je weiter wir die Blende öffnen umso mehr wird im Bild scharf. 

f/1.8

1/100, ISO 100

f/3.2

1/80, ISO 200

f/5.6

1/60, ISO 400

f/8

1/40, ISO 800


Damit die Helligkeit auf diesen 4 Bildern relativ einheitlich ist, hast ich die anderen Werte an die Blende angepasst. Erkennt ihr den Zusammenhang? 

Je geschlossener die Blende ist, umso höher muss ich den ISO-Wert stellen und / oder die Belichtungszeit verlängern.


Der Zusammenhang

Ich weiß, ich weiß. Das war jetzt ganz schön viel Input aber den Zusammenhang möchte ich euch an dieser Stelle noch schnell erklären, falls er durch mein geschriebenes noch nicht ganz deutlich geworden ist. 

 

Je nach Objekt, Motiv und gewünschtem Effekt, habt ihr also drei Möglichkeiten um die Helligkeit eures Bildes zu optimieren: 

 

- Ihr erhöht den ISO-Wert (Ich versuche, diesen immer so niedrig wie möglich zu halten. Sehr selten, dass ich über ISO 800 gehe. Meistens wähle ich ISO 100 oder 200.)

 

- Ihr öffnet die Blende (Ich fotografiere in der Regel immer offenblendig. Sprich f/1.8 bis f/2.8) 

 

- Ihr erhöht die Belichtungszeit (Hier bin ich in der Regel bei 1/500 oder 1/640. Meistens versuche ich hier zu optimieren, um mehr Helligkeit zu erreichen und verzichte dann eher auf Bilder in Bewegung) 

 

So - jetzt schnappt ihr euch ein paar Gegenstände und eure Kamera und fotografiert mit den unterschiedlichsten Einstellungen drauf los. Stellt die Gegenstände in verschiedenen Abständen auf einen Tisch in Nähe des Fensters (wegen des Lichtes) und probiert vor allem mal mit den unterschiedlichen Blendenzahlen herum. Wenn das schon gut klappt, dann geht raus und fotografiert dort ein paar Gegenstände. Bäume, Blätter, Äste, Blumen etc. Probiert wirklich erstmal an stillen Gegenständen rum, ehe ihr euch eurem rennenden Hund widmet. Das ist am Anfang sicherlich nicht so aufregend, aber es hilft unglaublich beim Verstehen der Technik. 

Also los! Üben, üben, üben!

 

Viel Spaß dabei! 

 

Im nächsten Beitrag geht es um das RAW-Format und warum ich (und viele andere) ausschließlich in diesem fotografieren. 

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Kommentare: 2
  • #1

    Danni (Samstag, 26 März 2016 20:54)

    Hallo liebe Viktoria, ein gaaanz dickes Dankeschön für die leicht verständlichen Worte zu diesen oftmals schwierigen Sachverhalten. Wir probieren es definitiv täglich mit üben und nach dem Beitrag bin ich mehr als zuversichtlich, dass es klappt. Toll, dass Du dein Wissen mit uns teilst

  • #2

    Jasmin (Mittwoch, 30 März 2016)

    Da werde ich mich doch direkt mal dran versuchen, eine wirklich tolle erklärung, vielen Dank :-)