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Wenn der Hund an der Leine bleiben muss...

„Also ihr müsst eurem Hund auch mal vertrauen...“

„der ist total unglücklich...“

„der kann gar nicht richtig Hund sein, der hat überhaupt kein Hundeleben...“

„der kann ja nie richtig rennen...“

„aber jagen gehört doch zum Hund sein dazu...“

 

Diese und ähnliche Aussagen hören wir von anderen Hunde- und Nichthundebesitzern, wenn wir erwähnen das Timmy ausschließlich an der Leine läuft. Aber ist er jetzt dadurch unglücklicher? Unzufriedener? Weniger ausgelastet? Oder gar weniger Hund?

Was er definitiv ist: Sicher. Sowohl er selbst, als auch andere.

 

Unsere Jagdschnute geht - wie die meisten mittlerweile sicherlich wissen - nur an einer 15 Meter Schleppleine. Damit laufen wir täglich bei Wind und Wetter im Schnitt 2 Stunden (plus die kürzeren Runden am Morgen und am Abend). Oft gestalten wir die Spaziergänge, ansonsten kann er aber auch nach Herzenslust schnüffeln, Spuren verfolgen, buddeln, sich im Dreck wälzen, durch Pfützen springen und übers Feld rennen. Wenn es schöner wird, gehen wir gemeinsam joggen, fahren zusammen Fahrrad und können sogar schwimmen gehen mit Timmy. Ich denke, damit ist Timmy geistig als auch körperlich gut ausgelastet und vor allem ist er eins: Glücklich. 

 

Wenn man seinen Hund nur an der Leine führen kann, macht man sich automatisch darüber Gedanken, wie man alles für ihn aufregender und spannender gestalten könnte. Timmy macht das Spaß, er freut sich sehr, wenn ich die Trainingstasche zum Gassi mit nehme. Zu Hause ist er sehr ausgeglichen und entspannt, was mir zeigt, dass wir alles richtig machen. Das war nicht immer so. Denn in der Zeit, als er noch frei laufen konnte, sahen unsere Spaziergänge meist gleich aus: Raus, auf den Feldweg, Leine ab und laufen lassen. Mal haben wir den Ball mit gehabt, aber im großen und ganzen hat er einfach so sein Ding gemacht. Und war zu Hause recht unentspannt und wir hatten häufig den Eindruck, dass er nicht so ganz ausgeglichen ist. Das änderte sich erst, als sich auch unsere Einstellung und unser Verhältnis zur Leine änderte. Am Anfang war es für uns auch nervig, dass er nun nur noch an der Leine gehen konnte. Aber in Summe können wir heute sagen: Es tat unserer Bindung verdammt gut und wir können jetzt mit absoluter Sicherheit behaupten: Timmy ist ausgeglichen, entspannt und zufrieden. 

 

Vor allem im Vergleich zu so manchen Hunden, die hier bei uns im Dorf leben. Denn hier kann man verschiedene Typen von Hundehaltern beobachten.

 

An erster Stelle stehen die, die man theoretisch gar nicht beobachten kann, weil sie nie mit ihrem Hund raus gehen. Der Hund lebt tagein, tagaus auf dem Hof. Steht immer am Zaun und dreht total durch, wenn andere Hunde oder Menschen dort vorbei gehen. Er sieht und riecht immer das selbe und hat keinerlei Kontakt zu anderen Hunden. Er wird nicht beschäftigt sondern sich selbst überlassen. Mit ihm wird selten bis nie spazieren gegangen. Er hat ja schließlich genug Auslauf auf dem Hof. Meint ihr, dieser Hund ist zufrieden oder glücklich?

Ich glaube nicht. Keine neuen Eindrücke, keine Kontakte, keine Aufgabe - denn wirklich als Wachhund kann man sie auch nicht bezeichnen. Immer das selbe. Hier gibt es Hunde, die hat Timmy in seinen knapp 4 Jahren die er hier wohnt, noch nie zu Gesicht bekommen... 

(Anmerkung: Ich überarbeite diesen Artikel gerade und kann immer noch sagen: In den mittlerweile knapp 7 Jahren hier, hat er immer noch nicht alle Hunde zu Gesicht bekommen. Und wir wohnen in einem 400 Einwohner Dorf.)

 

Typ Zwei: Die Hunde dürfen frei laufen, müssen aber streng bei Fuß gehen. Dürfen nicht schnüffeln, nicht buddeln, nicht spielen und auch nicht rennen. Mit ihnen wird aber fast jeden Tag spazieren gegangen. Von seinen Haltern wird man ausgelacht, weil der eigene Hund „ja überhaupt nicht hört und man diesen nicht frei laufen lassen kann...“.

Ist dieser Hund zufrieden?

Auch hier denke ich, nein. Was bringt das frei laufen, wenn er dabei nicht Hund sein darf? Nicht rennen und schnüffeln darf? Ein Hund würde selbst doch nie auf die Idee kommen, einfach nur spazieren zu gehen und die Natur zu genießen. Oder?

 

Typ Drei: Freilaufend, rennend, tobend, schnüffelnd, spielend und gut erzogen. Seine Menschen fordern ihn aber überfordern ihn nicht. Die Hunde dürfen bei allem komplett Hund sein.

 

Typ 4: Hunde, bei denen es so gehandhabt wird wie bei Timmy.

 

Was meint ihr, welche Hunde sind ausgeglichen? Brauchen Hunde unbedingt Freilauf oder können sie auch mit Leine glücklich werden? Kann man Hunde nur im Hof halten ohne weitere Beschäftigung? Wie ist das bei euch?

 

Meiner Meinung nach ist ein Hund dann ausgeglichen und zufrieden, wenn er einfach Hund sein darf. Gepaart mit der nötigen Portion Auslauf (egal ob Leine oder nicht), geistiger Auslastung, sozialen Kontakten und einfach der Befriedigung seiner Bedürfnisse. Und manchmal reicht dem Hund dann auch nur eine kurze Runde an der Leine und den Rest des Tages faul sein. Jeder Hund ist ein Individuum und hat andere Bedürfnisse. Jeder muss für sich selbst und für seinen Hund selbst entscheiden, wie er denkt, dass es für ihn am besten ist. Deswegen würde ich niemanden anfeinden, der es anders handhabt als ich.*

 

Für mich bedeutet Leinenlos nicht automatisch glücklich. Und mit Leine nicht automatisch unglücklich.

 

Natürlich würden wir Timmy liebend gern wieder im Freilauf sehen, aber es funktioniert nun mal nicht. Er ist nicht sicher Abrufbar bei Wild und bei Wildspuren. Wir trainieren nach wie vor den Rückruf und es wird auch ganz langsam besser. Aber es ist eben noch nicht perfekt. Und so lange läuft er weiterhin an der Schleppleine.

 

Ich kann sogar mit 2 Meter Leine rennen und toben...
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Ich kann mit Leine toll spazieren gehen (Bild aus 2014)...
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...mit Herrchen Quatsch machen (2014)...
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...sogar Schwimmen kann ich mit 20 Meter Leine (2014)...
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...die Sonne kann ich auch genießen (2014)
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